Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Parallelen aus der jüdischen Geschichte
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829626-2829635-2876956--24298-2876980- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Parallelen au• der jüdischen Geschichte. 347 dert, es hat damit seine Aufgabe ,um Theil wenigstens gelöst. Und diese felsenfeste Neberzeugung, daß es aus grauem Alter« thum in wunderbarer Leitung ein Vermächtniß erhalten hat, dieses Bewußtsein hat es gestählt und ihm die Kraft zum Widerstande und zum Fortleben verliehen. Die scheinbare Schwäche war gerade seine Stärke. Es konnte mit Recht sagen: ״Gott der Herr ist meine Kraft, er hat meinen Füßen die Schnelligkeit des Rehes gegeben". Noch eine dritte segensreiche Seite sollte die Zerstreuung und Wanderung des jüdischen Stammes haben. Wenn er Lehrer der Völker für die zwei Angelpunkte des menschenwürdigen Daseins werden sollte, für Lauterkeit der Gotteserkenntniß und Lauterkeit sittlicher Gesinnung, so mußte er selbst lernen, mußte sich nicht bloß in seine Geistesschätze vertiefen, sondern auch in Contakt mit der Außenwelt treten, Vergleiche anstellen, um sein Eigenthum bester würdigen zu können. Es sollte reiche Erfahrungen sammeln und eine männliche Reife erlangen, welche in der Abgeschloffenheit seiner Urheimath nicht zu erreichen wären. Er mußte in die Wüste der Völker getrieben werden, um seine Augen zu öffnen und sein Verständniß zu schärfen. Leicht hört es sich an, ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk zu werden, aber lastenschwer ist es, diesen wettenüberwindenden Inhalt zu verwirklichen. Jahrtausende der Selbsterziehung gehören dazu. Israel mußte man« der», uni fähiger für seine Aufgabe zu werden. Der ewige Jude wandelte aber nicht ziellos, vom Zufall hierhin und dorthin gejagt, sondern verfolgte gewiffermaßen einen providentiell vorgezeichneten Pfad. Man kann fast sagen: auf Gottes Befehl sind sie gezogen und auf Gottes Befehl haben sie sich niedergelassen. Die Emigration erfolgte lange noch vor der Entstehung