Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Parallelen aus der jüdischen Geschichte
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 9)
- Language
- German
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Parallelen aus der jüdischen Beschichte. 345 den Stachel und dem Weibe die Schönheit. Ein künstlerisches Bild aus hohem Alterthum stellt sinnig dar, wie das Schwache den Starken besiegt, Aphrodite auf einem Löwen reitend und ihn bändigend. Der menschliche Geist» welcher den gigantischen Na« turgewalten gegenüber nur wie ein Hauch erscheint, beherrscht diese Gewalten und macht sie sich unterthänig. So ist das Innerliche, der Geist der Stärkere, die überwindende Kraft. Der Geist eines Volksthums ist sein Ideal, und dieses kann eine solche Energie entwickeln, daß es zerstörende materielle Gewalten überdauern kann. Allerdings kommt es auf den Charakter des Ideals und aus die Zähigkeit des Trägers an. Unter den bekannten Völkern des Alterthums halten neben Israel allenfalls noch zwei eine ideale Triebkraft; die Griechen und Nömer. Das Ideal der Griechen war die A e st h e t i k, die K u n st und die theoretische Weisheit. Aber dieses Ideal diente ihnen lediglich zum Behagen, zum Genuß und zum Spiel. Haben sie dafür eine Selbstaufopferung und ein Martyrium bestanden? Haben sie auch nur versucht, Kunstsinn und die Gedanken ihrer Philosophie als Elemente allgemeiner Versittlichung mit Bewußtsein zu verbreiten? Mit Nichten. Darum, weil ihnen dieser Ernst und diese Energie abging, sind sie sammt ihrem Ideal dem Untergang verfallen, und nur wohlthuende Erinnerungen und Denkmäler sind von ihnen geblieben. Noch weniger konnten sich die alten Römer behaupten, weil ihr Ideal, Expansionstrieb und Eroberung — allenfalls auch praktisch, politische Organisation — materieller Natur war. Sie erlagen dem überwältigenden Gegenstoß kräftiger junger Völker. Nicht so Israel. Weil es an seinem Ideal mit bewunde» rungswürdiger Zähigkeit, mit Todesverachtung sesthielt, es hegte und schätzte, darum diente dieses Ideal ihm selbst als Palladium. Sein Ideal war und ist aber noch anderer Art, höherer,