Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 36 (1887)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
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Arcknstsnen. 28? des Nbr. Jbn Esra sich aufthut, eine Vermuthung, die schon bei oberflächlicher Durchsicht der neuveröffentlichten Gedichte zur Gewißheit sich erhebt. Wir ersehen vor Allem aus seinen religiösen Dichtungen, wie der als Schrifterklärer so kühne, hart an die Gränze moderner Bibelkritik streifende Jbn Esra ein wahrhaft frommes Herz, einen kindlich gläubigen Sinn, und ein gesundes, von Zweifeln nicht angekränkeltes religiöses Empfinden sich zu wahren gewußt hat. Seine philosophischen Anschauungen, seine'.Vorstekiungenüber Gott, Welt und Mensch (von Friedländer in IbnEsra Literatare vol. IV. Essay I. lichtvoll zusammengestellt) erhalten eine willkommene Bestätigung, Beleuchtung und Ergänzung durch die religiösen Dichtungen im Diwan. Im Verkehr mit seinen Freunden wiederum lernen wir den trotz seiner Geisteshöhe und Wiffensfüll« bescheidenen, für die Forderungen und Darbietungen der Freundschaft begeisterten, von hingebender, fast rührender Verehrung für seine Freunde erfüllten Mann kenneu; einige seiner Dichtungen, so namentlich N. 52, 191, 193, 193, 203, 205, verrathen uns ein von schweren Schicksalsschlägen erschüttertes, von herber Enttäuschung getroffenes, von des Wanderers Ruhelosigkeit aufgeregtes, von trüben Ahnungen gequältes Gemüth. Für den Ausdruck religiöser Gefühle hat er erhebende Töne, für den Ausbruch froher Laune treffende Worte, für die Schilderung des Schmerzes ergreifende Weisen. Meister der hebräischen Sprache, gewandt und witzig, geistvoll und feinsühlig in ihrer Anwendung ist er, was die Form betrifft, musterhast, tadellos selbst in seinen Künsteleien, die ihm trotz der mannigfachen, selbstgeschaffenen, scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten in Reimen und Metren, Akrostichen und Wortspielen fast immer ohne Zwang gelingen, z. B. N. 63, 88, 117, 130, 183, u. a. Nur wenige Gedichte des Diwan sind in Bezpg auf die Form weniger gelungen, vielleicht trägt nur der verderbte Zustand des Textes in der HS. Schuld an dieser Mangelhaftigkeit,