Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 512 (sequence 4)
- Language
- German
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512 Necensionen. eine Entschuldigung, wenn der Redner zum Schlüsse sagt: Und nun, m. Brüder, wenn einer von euch fragt, wozu das Gerede, und was solls mit dieser Unterweisung in der Erdkunde, ich werde ihm erwidern rc.? Das Gesagte schließt nicht aus, daß diese Predigten viele ungesuchte gedankenvolle Kernstellen enthal« ten, denen die vollendet schöne knappe Fassung geradezu den Charakter von aperqus verleiht. Wie schön ist nicht gesagt: ear il est rare que le raisonnement parvienne k guerir le mal qu’a fait le raisonnement (pag. 61) oder: et, comme le desir ya toujours plus loin que la realite, il y a une contradiction perpetuelle entre ce qui est et ce qu’on voudrait qui füt (pag 97)), wie geistvoll ist nicht die Erklärung der MidraschsteUe zu Jesaja 2,2: ערניד הקרוש כרוך הוא להביא סיני וחמר וכרמל ולבנות ביח המקרש על גכיהין das will sagen, die politischen Kämpfe dargestellt durch den Thabor, die religiösen Kämpfe dargestellt durch den Karmel, werden von der Erde verschwinden, Eintracht, Liebe, Frieden, und Brüderlichkeit wird herrschen unter allen Völkern: das Gesetz vom Sinai wird alsdann die Welt erobert haben. Wie treffend ist dem schönen Gedanken Ausdruck gegeben, daß Menschenliebe nichts anderes sei als Liebe zu Gott, wodurch die beliebte Trennung in gegen Gott und Pflichten gegen Menschen eine scharfe Verurtheilung erfährt: ״Unser heiliges Gesetz sagt am Ende jedes Sittengesetzes 'אני ה Ich bin der Ewige. Ehret eure Eltern, ich bin der Ewige. Seid rechtschaffen in eurem Verkehr, ich bin der Ewige. Schändet eure Lippen nicht durch Lüge, eure Hände nicht durch unerlaubten Gewinn, ich bin der Ewige. An Gott glauben heißt glauben an Gerechtigkeit, an Wahrheit, heißt glauben, daß wir uns selbst achten müffen, daß wir achten müffen und lieben unseren Nächsten." Daß der Redner da die ergreifendsten Töne findet, wo er auf die Erhabenheit der Lehre, auf die Größe der Geschichte des Judenthums zu reden kommt, ist schon bemerkt.