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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 11 · p. Seite 474

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 11
Article
Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
Date
1886-01-01
Page
Seite 474 (sequence 2)
Language
German
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474 Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches nen und folgenden Epochen, so ist durch die Entdeckung des leitenden Pathos in einem chronologisch unbestimmt gehal» tenen Schriftdenkmal die Zeitepoche eo ipso entdeckt. Dieses Verfahren, die Tendenzfrage und Zeitfrage im Zusammenhänge zu behandeln, ist bezüglich des Buches Esther unerläßlich, weil die eine ohne die andere nicht gelöst werden kann. Im Allgemeinen setzen die kritischen Bibelforscher, welche die Geschichtlichkeit des Buches Esther entweder ganz oder theilweise preisgeben, in die griechisch.macedonis ch e Epoche. E. Meier und B e r t h e a u weisen es dem dritten Jahrhundert der vorchristlichen Zeit zu, Ewald setzt eS,nicht lange nach dem Untergange des persischen Reiches. Ihm liegt nämlich daran, den historischen Kern der Composition zu retten, daher braucht er einen Zeitpunkt, in welchem die Erinnerung an persische Zustände und Sitten noch lebhast sein konnte. Einen durchschlagenden Beweis für die griechisch-macedänische Epoche hat keiner der Ausleger beizubringen gewußt- Die meisten behelfen sich mit einem Argumente, das mehr von Eingenommenheit als von Logik zeugt: ״Der blutdürstige Rache- und Verfolgungsgeist deute auf die Zeit der Ptolemäer und Seleuciden hin." Als ob, wenn wirklich ein Rachegeist im Buche Esther vorherrschen sollte, derselbe den Judäern der persischen Epoche nicht eben so gut innewohnrn konnte, wie denen der makedonischen Zeit! Indessen ist das Buch nicht so arni an Anspielungen auf die griechische Zeit, als daß man sich mit einem so nichtssagenden Argumente behelfen müßte. Sachliche und sprachliche Eigenthümlichkeiten weisen deutlich genug auf diese Zeit hin. Wir müssen natürlich hier von der Ableitung des Purim» Festes von dem griechischen Pithögien- und Choen.Feste absehen, um nicht in einen Cirkelschluß zu gerathen. Wir wollen uns nach andern Argumenten umsehen.

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