Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 439 (sequence 15)
- Language
- German
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Esther und der Ursprung des Purim-Festes. 439 begangen wurde (חלילים Richter 9,27). Ein Weinfest dagegen an der Scheidegrenze des Winters und Frühlings kennt die hebräische Archäologie nicht. Da die Griechen überall, wo sie sich ansiedelten, ihre heimathlichen Feste mitbrachen, und sie die Anthesterien wohl auch in mehreren Stabten Judäas, die sie seit Alexanders Kriegszug inne hatten, zu feiern pflegten, so ist es keineswegs befremdlich, wenn diese harmlose Sitte allmälig auch in Judäa Eingang gefunden hat. Harmlos war sie, da die Anthesterien nicht zu den eigentlichen Feste» des Gottes Dionysius zählten. Es war auch bei den Griechen ein rein weltliches Fest. Wäre es mit dem Kultus ver» Kunden gewesen, so hätte eS wohl schwerlich Eingang gefunden Daher ist die Zeit, in welcher das Purim-Fest in Judäa entstanden ist, so unbestimmt. Man erinnerte sich seines Ursprung nicht mehr, nachdem es eine oder zwei Generationen zur stehenden Sitte geworden ivar. Es hat wohl seinen Anfang mit der An» siedelung der Griechen in dem ehemals judaischen Territorium und in den Greuzländern oder richtiger mit dem Beginne der Nachahmung des griechischen Wes euS in Jud ä a. Diese ist wohl auf den Steuerpächter Joseph, den T ob i a s s o h n, zurückzuführen, welcher von dem Ptolemäischen Hofe begünstigt, in stetem Verkehr mit diesem und mit den griechisch-macedonis.hen Colonien in Palästina war, von denen er die Steuern einzutreibrn hatte, also deren Sprache er ve» stehen und reden mußte. Er war der Vater der später zum Unheil des judäischen Volkes entstandenen Partei der Hellenisten. Er selbst hatte sich, wenigstens so oft er in Alexandrien am Hofe der Ptolemäer weilte, über die judäische Satzung hinwegge« setzt. Er speiste ohne Skrupel an der Tafel des Königs ')׳ V Josephus Alterthümer XU, 4, ö.