Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Stellung der kleinasiatischen Juden unter der Römerherrschaft
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829612-2829621-2876307--23651-2876317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Stellung der klemastatischen Juden unter der Römerherrschaft. 331 scheu Gegend dahin verpflanzten Juden sollten demnach die Hüter der wichtigen Plätze sein, deren Abfall zu befürchten war. Sie müssen demnach mannestüchtig und kriegerisch gewesen sein. Die wichtigen Plätze» welche sie gegen etwaige Aufstände zu vertheidigen hatten, waren gewiß die Städte, in welchen später zahlreiche jüdische Gemeinden angetroffen werden, in der bedeutenden Hafenstadt Ephesus, in dem griechische Bildung pflegenden Perg a m u m. in der nicht minder wichtigen Stadt, S a r d e s , in Apamäa, Tralles, Halikarnaß und andere. Diese zwei Tausend jüdische Familien, etwa eine Bevölkerung von 10000 Seelen, bildeten den Urstock der jonischen Juden an der kleinasiatischen Westküste. Lange konnten sie die ihnen anvertrauten Festungen nicht schützen, da sie selbst des Schutzes beraubt wurden, als ihr Schutz- Herr Antiochos in der Schlacht bei Magnesia von den Römern besiegt wurde und er gezwungen war, den Siegern ganz Kleinasien abzutreten (190). Sie kamen auch nicht sobald unter die Nömerherrschaft, sondern unter die Botenmäßigkeit der kleinen Könige, deren Bestand die Römer vor der Hand duldeten, oder unter die der Magistrate (Archon und Rath) der Freistädte. Wie mag es ihnen unter den hochmüthigen und boshaften kleinasiatischen Griechen ergangen sein? Wir haben nicht die mindeste Andeutung darüber. Da die ersten jüdischen Ansiedler nicht Schwächlinge waren und wohl auch einen landsmannschaftlichen Verband bildeten, so mögen sie nicht allzusehr von den Griechen chikanirt, sondern als ein fremde Colonie geduldet worden sein. Ihre religiöse Eigenheit wurde gewiß nicht angetastet; später Eroberung dieses Königs in Kleinasien als Anmaßung angesehen und ihn daraus hinausgewiesen haben, hätten sie die von ihm stammenden Privilegien als widerrechtlich beurtheilcn können. Darum haben sie wohl klugerweise Antiochos Theos als ihrem ersten Schutzherrn vorgeschoben. 22•