Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 1)
- Language
- German
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RecMon. 320 Mecensro». Allgemeine Ethik von Dr. H. Steinthal. Berlin, Gwrg Reimer 1885. (8». 458 SS.). Steinthals Ethik stellt sich auf den Boden der von Kant und Herbart gewonnenen Principien. Kant's Absicht in der Ethik war die strenge Scheidung von Lust und Wicht, die Aufstellung praktischer Postulats. Seinen Ausgarg nimmt er von dem erkenntniß-theoretischen Principe, daß mr allgemeine und nothwendige Sätze absolute Gewißheit Haber.' Da nun Allgemeinheit unb Nothwendigkeit immer nur dm Apriorischen zukomme» so müsse das absolut gewisse Gruwprincip der Sittenlehre von allen Willensobjekten abstrahiren md lediglich die Form des Willens in Betracht ziehen. Auf diesm Wege gelangt Kant zu der Wahrheit, daß es nichts Gutes gebe als einen guten Willen. Auch nach Herbaxt beruht das Wesentliche des Sittlichen auf der Willensform. Aber Herbat gelangt nicht auf demselben Wege wie Kant P diesem Riultate. Er theilt Kant's erkenntniß-theoretisches Princip nicht, sondern findet, ״daß jedes Geschmacksmtheil für sich selbst stSend unmittelbar gewiß ist und absolut, oder gar nicht vorhaiüen". Ihm ist das ethische Urtheil ein Geschmacksurtheil und als solches eine Thatsache wie das ästhetische. Die Analogie oieser beiden Arten der Geschmaösurtheile bedingt auch ir Einzelnen den Charakter der Herbart'schen Ethik. Sie veranaßt ihn, das Sittliche immer in der Beziehung zweier Willen zi suchen. Steinthal geht in der Weise Herbart's vor, wenn/r die ethischen Gefühle zunächst als Thatsache constatirt. Dg Gefühl ist die ursprünglichste und