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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 5 · p. Seite 219

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 5
Article
Zur Bibel-Exegese
Date
1886-01-01
Page
Seite 219 (sequence 1)
Language
German
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Zur Bibel-Sxegese. 219 Am ZLibel-Lzkegele. Zwei der feinfühligsten deutschen Dichter, Göthe und Heine, haben ihre rückhaltlose Bewunderung für die biblische Dar» stellungsweise bekundet, daß sie majestätische Hoheit nüt kinderfaßlicher Einfachheit, wie keine andere Literatur, so harmonisch verbindet. Die Diktion fließt ungehenimt dahin, wie der Jordan im Frühling und glänzt zugleich wie die Schneekuppen des Libanon, von den Sonnenstrahlen vergoldet oder dem Mondlichte versilbert. Da ist keine verschnörkelte Construktion, kein bä» dalischer Periodenbau, welche den Leser hindern, den Gedankenblitz, wie aus dem Geiste des Autors entzündet, im Nu zu erfassen, sondern ihn anspannen, sich die Atome des Gedankens zusammenzusetze». In diesen Eigenschaften der biblischen Diktion, der Einfachheit nnd Erhabenheit, liegt der Reiz, welcher Kinderge« müther für den Inhalt der heiligen Schrift stets gewinint und ihn auch für Denkgeübte zum Gegenstände des Nachdenkens macht. Trotzdem läßt es sich nicht ableugnen, daß sie in den profalschen wie in den poetischen Theilen nicht bloß Dunkelheiten, sondern auch eine so schleppende Ausdrucksweise enthält, daß sie kindischen Tautologien und Gedanken-baaren Absurditäten ähnlich klingen. Daher die Unzahl von Auslegungen zur Bibel von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, die wie der Ossa auf dem Pelion aufeinander gethürmt sind, und das einfache Bibelwort zum Gegeustande mühsamen und abschreckenden Studiums macht. Diese Unzuträglichkeit der Erscheinung kann nur am Texte liegen, der in seiner überkommenen Beschaffenheit Veranlassung zu Mißverständniffen und Jrrthümern gi«bt, die

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