Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Xenophanes, der angebliche Vertreter des Monotheismus unter den griechischen Philosophen
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 1)
- Language
- German
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Zknophanes, der angebliche Vertreter des Monotheismus 205 Aenophanes, der angebliche Vertreter des Klonotheismus unter den griechischen Philosophen. Wenn man auch die Gottesidee nicht als dem Menschen angeboren betrachten kann, so ist es doch nicht zu leugnen, daß sie sich dem menschlichen Geiste unmittelbar, sei es auch nur als dunkle Ahnung aufdrängt, wie sie allerdings andererseits das letzte und fernste Objekt philosophischer Erkenntniß ist. Bekanntlich haben alle Völker eine mehr oder minder klare Vorstellung von der Gottheit gehabt und in einer ihrem eigenen Cultur. zustande entsprechenden Form zum Ausdruck gebracht. Man wäre versucht aus dieser Thatsache a priori zu folgern, daß der Mensch mit fortschreitender Cultur und philosophischer Erkenntniß zu einer adäquaten Vorstellung von der Gottheit gelangen könne, ja müsse. In wie weit diese Folgerung richtig sei, läßt sich schwer beweisen. Den reinen Monotheismus hat man schon bei den alten Indern, man hat ihn in einer Geheimlehre der ägyptischen Priester gesucht und zu finden geglaubt, ja man hat behauptet, daß Moses die erste Anregung zu seiner rein monothe istischen Lehre in der Schule dieser Priester empfangen habe; man hat endlich, und zwar mit größerem Rechte, auf die in ihrer Entwicklung immer mehr fortschreitende, sich klärende Gottesidee in der griechischen Philosophie hingewiesen und hat die Behauptung ausgestellt, daß die philosophische Speculation der Griechen zur monotheistischen Anschauung gelangt sei zu einer Zeit, wo jeder Einfluß durch die jüdisch-monotheistische Lehre ausgeschlossen war. Doch geben wir dies selbst zu, lassen wir die griechischen Denker selbstständig auf dem Wege der