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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 3 · p. Seite 119

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 3
Article
Ein Wort über das jüdische Gebet
Date
1886-01-01
Page
Seite 119 (sequence 11)
Language
German
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Ein Wort üb« das jüdische Gebet. 11S nach gleichsam ein drei Mal gesprochenes Abendgebet wären, so muß dennoch hierbei, wie überall, nicht sowohl der Ursprung, als der Gang der religiös.historischen Entwicklung in Betracht gezogen und gewürdigt werden. Zu einem beständigen, regelrnäßigen, öffentlichen Gottesdienst gehören aber auch feststehende, fixirte Gebete, die, dem Charakter der Oeffentlichkeit gemäß, allgemein gehalten sein müssen, die Bedürfnisse der Gesammtheit ins Auge fassen, und das Gefühl für die nationalen Güter, die confessionelle Zusammengehörigkeit wecken und stärken. Der gemeinsame synagogale Gottesdienst, in der hebräischen Sprache gehalten, wurde ja auch der Mittelpunkt des jüdisch-religiösen Lebens, wodurch ganz Israel, so zerstreut es auch nach allen Weltgegenden gewesen sein mag, geeint und zusammengehalten, an seine hohe Abkunft, an seine nach Jahrtausenden zählende Vergangenheit und anseine weltgeschichtliche Sendung erinnert wurde. Allerdings verbinden wir mit dem Ausdruck ״Synagoge" keineswegs die Vorstellung vom Inbegriff des Judenthums in einem Sinne, wie das Wort ״Kirche" gebraucht wird, indem die jüdische Religion das ganze Dasein umfaßt, das Leben in der Gesellschaft und in der Familie nicht minder, als im Gotteshaus. Das jüdische Gebet hat sich daher die Aufgabe gestellt, im Anschluß an das ״Höre Israel', das Bekenntniß von der Einheit Gottes und der Verpflichtung, ihn mit voller Hingebung zu lieben, die Grundideen der jüdischen Religion zum Bewußtsein zu bringen, den Israeliten in seinenr Glauben und Gottvertrauen zu befestigen, und ihn zu einem frommen, sittlichen Lebenswandel anzuleiten. Eigene, individuelle Wünsche zum Ausdruck zu bringen, mar dem Belieben jedes Einzelnen anheimgegeben, und man pflegte dieselben in einem an das Hauptgebet sich anschließenden }Wir» ״Flehen" niederzulegen, oder auch in eine geeignete Stelle des Hauptgebetes einzuschalten. Das Hauptgebet wurde Anfangs wohl nur vom

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