Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ein Wort über das jüdische Gebet
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 9)
- Language
- German
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Ein Wort über das jüdische Gebet. 117 wohl nur während einer bestimmten Woche ein täglicher Gottesdienst in der Synagoge des Bezirkes, der gerade in Jerusalem durch Delegirte vertreten war, nach dem Vorbilde des Gottesdienstes im Tempel stattgefunden haben, indeß erst später, nach' dem man sich in dieser Weise an einen täglichen synagogalen Gottesdienst gewöhnt hatte, allinälig in den Synagogen aller Bezirke Woche für Woche ein täglicher Gottesdienst veranstaltet wurde. Die מעמחת, die Vertreter eines Kreises in Jerusalem, wie wohl auch die Mitglieder des vertretenen Kreises in der Heimath, pflegten in der Woche, in der die Reihe an sie kam, täglich von Montag bis Donnerstag zu fasten, und verrichteten dann, wie es auch sonst am Versöhnungstage und anderen Fasttagen üblich war, beim Untergang der Sonne noch ein besonderes Schluß- oder Abendgebet, תפלת געילה• Nach einer wohl zu beachtenden Relation sollen sie ebenfalls, wie an anderen Fasttagen, auch gegen Mittag einen besonderen Gottesdienst veranstaltet haben. In der Bibel lesen wir, daß Daniel drei Mal des Tages, mit dem Antlitz gen Jerusalem gewendet, gebetet habe, und im 55. Psalm heißt es: ״Abends, Morgens und Mittags bete und flehe ich, und er hört auf meine Stimme". Hieraus sollte man entnehmen, daß in einer früheren Zeit Einzelne drei Mal des Tages, Morgens, Mittags und Abends gebetet hätten, ohne sich streng an den Opferritus gehalten zu haben, der nur zwei Mal des Tages stattfand. Von späterer Zeit wissen wir, daß Viele neben dem Minchagebet noch ein besonderes Abendgebet sprachen, wozu ebenfalls der Tempel» dienst keine genügende Analogie bot; denn das Minchagebet entsprach dem Minchaopfer» das eigentlich ein Abendopfer vorstellen sollte, später aber gewöhnlich gegen drei Uhr Nachmittags, zuweilen jedoch erst vor Abend, und zuweilen schon kurz nach Mittag verrichtet wurde. Hiernach wären wir vielleicht zur Annahme berechtigt, daß für die Bestimmung der Zeit und der