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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 2 · p. Seite 55

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 2
Article
Gedenkrede auf Moses Mendelssohn bei der Feier seines 100jährigen Todestages am 4. Januar 1886 in der Neuen Synagoge zu Berlin gehalten
Date
1886-01-01
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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Gedenkrede auf Moses Mendelssohn. 55 im Einklänge stehe mit der Vernunftreligion, zu derselben nur noch ein für das Haus Israel verbindliches Gesetz und die väterliche Ueberlieferung von grundlegenden geschichtlichen Thalsuchen unseres Volkswerdens hinzufüge; diese Ueberzeugung hegte Mendelssohn schon früh und deutete sie wiederholt an, wenn er auch erst am Abende seines Lebens ihr in geschloffenem Zusammenhänge Ausdruck gab. Die Wahrnehmung, daß das Judenthum, wohlverstanden das Judenthum als Religion, nicht als bürgerliche Gesetzgebung im eigenen Lande, die größte Denkuud Gewiffensfreiheit gestatte, erfüllte ihn mit einem solchen Hochgefühl, daß er, der sich vorgesetzt, stets nur das allen Bekentnissen gemeinsame Gute, nicht aber das Sondernde und Trennende darzustellen, daß er, der immerdar geglaubt hatte, auf Angriffe gegen das Judenthum durch Tugend und nicht durch Streitschrift t e n antworten zu dürfen» auf eine öffentliche Herausforderung eines schwärmerischen, bekehrungssüchtigen Freundes hin in sich den Muth fand zu jener mit Recht wegen ihrer ruhigen Besonnenheil, zugleich aber auch wegen ihres offenen Freimuths so viel bewunderten Absage an den aufdringlichen Religionswerber. Auch die Formen der väterlichen Religion wahrte er stets gewissenhaft, ohne jedoch Mißstände darum allein zu billigen, weil sie überkommen waren. Er erblickte in den Ceremonien nicht allein ein äußeres, die zerstreute Glaubensgemeinde eini. gendes Band, sondern suchte auch in ihnen religiöse Zeichen zu erkennen, für deren tiefbedeutsame Sprache man durch Schärfung des inneren Ohres sich das Verständniß erwerben müffe. Sollen wir der übrigen Tugenden und Vorzüge unseres Meisters noch besonders gedenken? Ihr wiffet, er war sanftmüthiz und milde wie Hillei, seine Bescheidenheit gemahnt an den Sohn Amrams, er war gütig und liebreich gegen Ferne wie gegen Nahe, ein aus Seelentiefe ergebener Freund aller

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