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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 2 · p. Seite 54

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 2
Article
Gedenkrede auf Moses Mendelssohn bei der Feier seines 100jährigen Todestages am 4. Januar 1886 in der Neuen Synagoge zu Berlin gehalten
Date
1886-01-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Gedenkrede auf Moses Mendelssohn. Formstnne gebreche. Alle diese Stammestugenden, wie Stam. mesmängel der deutschen Judenheit erkennt Ihr an dem jugendlichen, die Tugenden aber veredelt, die Mängel behoben findet Ihr an dem gereiften Mendelssohn. Er, der Mann nach dem Herzen Gottes, war fromm. Bedarf's des Nachweises, daß er, der so viele Wankende im Glauben an Gott, Vorsehung und UnsterbUichkeit gekräftigt, daß er, an den Genossen aller Glaubensformen, Hoch und Niedrig, Fürsten im Reiche und Fürsten des Geistes, Lehrende wie Lernende, ja Diener anderer Bekenntnisse selbst in ihrer Seelennoth als an ihren Gewissensrath sich wandten, vou auserlesener Frömmigkeit gewesen sein müsse? Uns hat es tief und mächtig ergriffen, als wir die letzten Worts Mendelssohns lasen, wenige Tage vor seinem Hinscheiden geschrieben. ״Sie sagen — also schreibt er — der Weltweise bete nicht; ״wenigstens nicht laut, nicht mit Gesang, sondern höchstens im ״Gedanken. Wenn seine Stunde kommt, und er zum Beten ״gestimmt ist, so wird er wider seinen Willen in Wort und ״Gesang ausbrechen. Der gemeinste Mensch — dünkt mich — ״singt nicht, daß Gott ihn höre und an seinen Melodien Ge- ״fallen finde. Wir singen unserthalben; und das thut der ״Weise so gut als der Thor. Haben Sie je die P s almen ״in dieser Absicht gelesen?. Mir haben die Psalmen ״manche bittere Stunde versüßt, und ich bete und singe sie, ״so oft ich ein Bedürfniß zu beten und zu singen bei mir ״verspüre". M. M. Gess. Schr. ed. G. B. Mendelssohn V, 649. Und warum sollten wir hier, im Hause des Ewigen Zebaoth, des Heiligen Israels, nicht deß mit besonderer Innigkeit gedenken, daß unser Gefeierter ein f r o m m e r I u d e gewesen und geblieben in dieses Wortes geistigstem, wie buchstäblichstem Verstände? Die Ueberzeugung, daß die Religion seiner Väter

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