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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 2 · p. Seite 53

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 2
Article
Gedenkrede auf Moses Mendelssohn bei der Feier seines 100jährigen Todestages am 4. Januar 1886 in der Neuen Synagoge zu Berlin gehalten
Date
1886-01-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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Gedenkrede auf Moses Mendelssohn- 53 Und ist dieser Spiegel lauter und ohne Makel, dann tritt die Vorbildlichkeit in ihre Rechte, und vorbildliches Einzelleben erzieht ganze Geschlechter zu Segen und zu Frommen. In Moses Mendelssohn nun suchte der Ewige sich, und fand er einen Mann nach seinem Herzen, als. er das arme und gebeugte deutsche Israel ans dem Staube emporheben wollte, um es zwischen die Edlen zu setzen. Der sittlich wackere, aber verschüchterte, mißgestaltete, stammelnde, einseitig in Bibel und Talmud unterrichtete Jüngling, als welcher Moses aus Dessau hier einzog, das ist das Urbild der deutschen Judenheit in den Jahrhunderten niederbeugender Knechtschaft und Rechtlosigkeit bis zu ihrer Erhebung. Der durch stetes Ringen an sich und mit sich der Vollkommenheit zustrebende, der durch innere Selbstbefreiung, durch angestrengte geistige Arbeit alle Svuren ehemaligen Knechtthums verwischende, durch den vollentwickelten Seelenadel alle Mängel der körperlichen Entwickelung bannende I oder verklärende, der selbstlos an alle Edlen der Menschheit ן hingegebene und in alle lauteren Bestrebungen der Menschheit liebreich sich versenkende Mendelssohn dagegen» — das ist das Urbild, das bleibe das Vorbild der durch Mendelssohns Anstoß sich -verjüngenden deutschen Judenheit. Auch im Mittelalter, dessen Dauer für die Juden Deutschlands fast über drei Jahr» Hunderte hinaus verlängert werden muß, fehlte es unseren Ahnen nicht an Tugenden des Herzens, an Vorzügen des Geistes, an j Tiefe des Gemüths. Zu rühmen ist ihre Frömmigkeit, ihre un» begrenzte Opferfreudigkeit für die Religion ihrer Väter, ihr freundliches, liebreiches, mildthätiges Wesen. Die Deutschen, die des Geschickes Gunst dem heimatlichen Elend entrückt und 1 in sonnigere Länder geführt, wurden von ihren Glaubensbrüdern j als Männer scharfsinnigen Geistes gepriesen, dis nur nicht aus. zudrücken vermögen die Tiefe ihres Inneren, denen es an der z Fähigkeit zum Ausgestaltea ihrer Gedanken, an dem rechten

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