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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 2 · p. Seite 52

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 2
Article
Gedenkrede auf Moses Mendelssohn bei der Feier seines 100jährigen Todestages am 4. Januar 1886 in der Neuen Synagoge zu Berlin gehalten
Date
1886-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Gedenkrede auf Moses Mendelssohn. seine Bedeutung für seine Glaubensgemeinde; und an seinen Namen bleibt für immer geknüpft die neue Wende in der äußeren und innerenEntwick« lung deS deutschen Israel. Unserem Gefeierten zu.Ehren, uns selbst zum Frommen laßt in festlicher Stunde diesem Gedanken uns nachgehen, wobei uns ein biblisches Kernwort leite und in Sicherheit führe; das Wort Samuels: Dp ״ בקש ה׳ לו איש בלבבו ותנוהו ה׳ לנגיד עלDer Ewige suchte sich einen Mann nach seinem Herzen, und der Ewige entbot ihn zum Führer seines Volkes". (Sam. I, 13,14). Moses Mendelssohn, weil der Mann nach Gottes Herzen, darum auch der berufene und geliebte Führer seiner Glaubensgemeinde. Dies erkannt und gewürdigt zu haben, möge uns der unvergängliche Segen dieser Gedenkfeier bleiben! ״In ihm, dessen Gedächtniß wir heute feiern, suchte der Herr sich einen Mann nach seinem Herzen!" Kein Sterblicher steht im Rathe des Ewigen, um das Geheimniß der Berufung und Erkürung in seiner ganzen Tiefe zu ergründen; aber, wer so viel Geschichte an sich durchlebt, wie Israel, besitzt genug des Scharfblickes, um unter den vielen Namen der Vergangenheit diejenigen zu unterscheiden, welche als Urbilder und Vorbilder der Gesammtheit von der Vorsehung zu besonderer Sendung erkoren und berufen worden sind. Wie im Reiche der Schöpfung thatsächlich nur vereinzelte außerordentliche Riesenbildungen die reiche, unendliche Kraft andeuten, die ihrer Anlage nach in der Natur ruht, so bringt die Vorsehung nur selten in Einzelnen alle jene Kräfte und Anlagen zu wirklicher Erscheinung, die als Fähigkeiten im Schoße der Gesammtheit keimen. Diese Einzelnen erscheinen dann als Urbilder ihrer Gesammtheit; sie halten mit ihrem eigenen Wesen ihrem Geschlechts gleichsam einen Spiegel vor, in welchem diese sich wieder zu erkennen vermögen.

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