Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Historische und topographische Studien
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
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1 Historische und topographische Streifzüge. 2SS j; worden. In Folge dieser antijüdischen Animosität der katholischen Kirchenfürsten entsprang eine Bestimmung in Betreff der Osterni feiet, welche geradezu lächerlich erscheint. Das nicäische Concil; hatte nämlich zwei Momente für die Fixirung der Osterfeier sestgestellt, einerseits das Frühlingsäquinoctium und den 14. T a g des F r ü h l i n g s m o n a t s, d. h. vierzehn Tage nach der ersten Phase des Neumonds dieses Monats. So viel hatte denn doch die ausdrückliche Erzählung in den synoptischen Evangelien, daß Jesus zur Zeit des jüdischen Pascha - Males und mit Ansehung an dasselbe die Abendmahlsfeier eingesetzt habe, durchschlagend bewirkt, daß dieser Zeitpunkt wo möglich eingehalten wurde. Anderseits wurde be- I stimmt, daß Ostern doch jedesmal am Sonntag gefeiert werden sollte, d. h. nach dem Brauche der römischen Kirche. Nun sollte man voraussetzen, daß wenn in einem Jahre der 14. des Frühlingsmonats, also des Aprils, gerade auf einen Sonntag fiele, dann l die Christenheit froh gewesen sein sollte, diese beiden Zeitmomente j einhalten zu können. Doch nein; es wurde gerade bestimmt, jj daß in einem solchen Falle die Ostern nicht am Sonntag und | am 14. gefeiert, sondern sie auf den nächsten Sonn, jj tag verschoben werden sollten. Der Grund dieser j Jnconsequenz lag in der bereits tiefgewurzelten Animosität gegen das Judenthum. Die Christen sollten nun einmal nicht mit den Juden das Paschafest gemein, sam feiern'). Denn wenn der 14. des Frühlingsmonats \ auf den Sonntag fällt, d. h. nach jüdischer Berechnung auf den \ 15. Nisan, so würde also das jüdische Fest der ungesäuerten I Brode mit der Osterfeier zusammentreffen, und dieses woll- | ten die Kirchenfürsten ein für alle mal vermieden wiffen. j DerPaschastreit war aber dadurch nicht beigelegt, da mindestens — י) Vgl. HefeLe Geschichte der ConeilLen I S. 398.