Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Topographische und historische Streifzüge
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
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topographische und historische Stceifüge. 265 furiktionäre fungirten, wie oben nachgewiesen, in der Zeit kurz vor der Tempelzerstörung. Der Tradent kannte sie doch aus Autopsie und überlieferte ihre Namen und ihre Amtssphäre. Unter diesen find zwei genannt, welche so würdig waren, daß das Volk, d. h. die Wählerschaft in Jerusalem, sie mit Acclamation für den Vertrauensposten ernannt hat (o. S. 190, 199). Die Uebrigen werden schwerlich unwürdig gewesen sein. Sämmtlich sind sie also gewiß in ihr Amt eingesetzt worden, als die Zeloten die Tempelfunktionäre aus den Familien des Priesteradels destituirt hatten (o. S. 194). Daraus ist ersichtlich, wie parteiisch Josephus das Thun der Zeloten geschildert hat, oder wie verblendet er gewesen sein muß, daß er jede Maßregel, welche gegen die meistens gesinnungslosen hohenpriesterlichen Familien gerichtet war, mit sittlicher Entrüstung verdammte. Die neueingesetzten Funktionäre brandmarkte er, daß sie die Zeloten nur deßwegen ge« wählt hätten, um an ihnen Helfershelfer für ihre Schlechtigkeit zu haben. Josephus Parteilichkeit bei der Schilderung der Zeloten ist zwar bekannt; aber aus diesem Züge ist es sonnenklar, daß ihm jedes Gerechtigkeitsgefühl abging, seine Gegner billig beurtheilen zu können. Er war ein eingefleischter Priesterlicher Aristokrat. Darum waren ihm das demokratische auf Gleichheit ausgehende Princip und dessen Vertreter ein Gräuel. II. Eine mit den Herodkanern verschwägerte Familie. * Die Herodianer, d. h. Herodes viele Enkel und Enkelinnen, haben zwar meistens sich unter einander verheirathet. Nur die Nachkommen von zweien seiner Töchter haben in fremde Familien