Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Studien zur Aggadah
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 2)
- Language
- German
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Studien zur Aggadah. 16? sich nun der Prozeß vollzogen, aus dem sich die Auslegungshaggadah zu ihrer heutigen Gestalt und Verfassung entwickelt haben mag? Wie haben wir uns das Verhältniß zu denken, welches zwischen jenem untergegangenen Schriftthum und unseren gegenwärtigen Midraschwerken * *) bestanden hat? So oft man bisher einer solchen Frage näher getreten, hat man sich der Vermuthung zugeneigt, daß die einzelnen, uns vorliegenden Sammlungen ursprünglich mit jenen Grundschriften identisch gewesen, daß sie jedoch vielfache und durchgreifende Ueberarbei- Lungen sich gefallen lassen mußten, ehe sie an Form und Inhalt das Aussehen erlangt, in dem sie sich gegenwärtig uns -räsentiren. Um einen alten, ursprünglichen Kern habe sich im וארא, Schlagwort ואל ישעו (Ausgabe Stettin S 191): שהיו כ ידן מגילות שהיו מ ש ת ע ש י ו נהו משבת לשכת לוטו שה׳ ק' לה ג ו א ל ן ו ל ,. — Die Beschaffenheit unserer gedruckten Midraschim ist in Text und Anordnung m-eistentheils durch die Handschriften bestimmt, welche den ersten Typographen Vorgelegen haben, weil die Späteren das Gedruckte nur wieder abdruckten, ohne andere handschriftliche Codices kritisch za benutzen oder zur Vergleichung heranzuziehen. So ist beispielsweise für den Tanchuma in der ersten Ausgabe zu Konstantinopel ein Codex abgedruckt worden, der sehr mangelhaft, allerlei Fremdes in sich ausgenommen hatte z. B. פ' פקודי das Stück: ואף בצלאל שבנה אוחו נשתבח, in! | ם׳ ויקרא das Stück: ויקרא אל משה למה אמר ויקרא, m פ׳ קרה das Stück: מנצפ״ך האותיות כפולות und ahnt. Später wurde in Mantua eine bessere Handschrift zu Grunde gelegt; der Herausgeber ergänzte dis Lücken, wollte aber die fremden Beimischungen des Konstantinopeler Druckes nicht unterdrücken, und stellte sie in anderer kleinerer Schrift dem ' echten Text zur Seite. Die späteren Herausgeber druckten nun die Man-- tuaner Edition weiter ab, stellten jedoch Cchtes und Unechtes nicht einander * gegenüber, sondern ließen Alles nach einander fortlaufen, bemerkten nur 1 daneben ob. darüber כבר היה לעולמים od. ראה כי הדש הוא od. קנקן 1 חדש מלא ישן; in derartigem Zustand lag uns bis jetzt der Tanchuma vor. — Auch die Pesikta rabbathi enthält ein so buntscheckiges Konglomerat ungleichartiger, inkompatibeler Stücke, daß wir dann schwerlich ' das echte Werk erblicken dürfen; ohne Handschriften giebt es auch für * diese Pesikta kein Heil, so Werthvolles immerhin der letzte Herausgeber derselben — M. Friedmann, Wien 1880 ~ geliefert hat. —