Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über die Erbauungs- und Unterhaltungslectüre unserer Altvorderen
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 21)
- Language
- German
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unserer Altvorderen. ISS Wolf und die Patriarchenenkelin Serach" singend und spielend auf ihrem ״Clavcordgen" oder ״Esterment" l Das bietet einen reichen Wechsel, der auch in der Thal bei der Aufführung angestaunt wurde. Die Sprache ist stark mit Lateinischem und Französischem untermischt, wie nachmals im Kanzleistyl Friedrichs des Großen und Maria Theresias, und es macht einen possirlichen Eindruck, biblische Personen also sprechen zu hören. Lange vorher und noch lange nachher wurden in Deutschlaud Jaden nicht anders, als wie in dem bekannten Jargon redend, vorgeführt. Seitdem aber hat ein Jude, der nunmehr bald ein Jahrhundert zu seinen Vätern eingethan, durch seine äasstsche Schreibweise die deutsche Schriftsprache reinigen und verschönern helfen, seitdem hat ״Nathan der Weise" die Bühne einer würdigeren Vertretung des Judenthums erobert, und seitdem haben mir Juden in Deutschland keine andere Unterhal- .lmigslectüre, denn unsere Mitbürger anderer Bekenntnifle, ja denn die gesammte Culturwelt. Vor dem ״Posaunenschalle" einer neuen Zeit, welche in dem Bunde Lessiugs und Mendelsohns ihr kennzeichnendes Merkmal fand, sind die Jerichomauern unseres geistigen Ghettos gefallen. Sie werden sich nimmer wieder erheben. Denn was auch immer kommen möge, unser ernstes Streben nach Bildung des Geistes und Gemüthes wird niemals wieder sich znrückdrängen laffen. Wer seiner Kraft sich bewußt, eintritt i» den Wettkampf der Geister zu Ehren Gottes, der folgt der Äsung: Nunquam retrorsum. Dies ist unsere Losung, und dies bleibe sie!