Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1885-01-01 · Heft 2 · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
34 (1885)
Issue
Heft 2
Article
Sendschreiben über die Austreibung der Prager und böhmischen Juden unter Maria Theresia
Date
1885-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829598-2829601-2875305--22704-2875318
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

§2 Tendschreiben über die LluStreibung der Prager und Juden, (vielleicht Lieferanten), welche mit der preußischen Armee eingezogen und als Einheimische angesehen worden waren. 2) Eine Relation über die Thätigkeil der Wiener Juden im Interesse der Prager ä. d. 18. Tebet — 25. Dec. 1744. Einige Tags vorher war das Ausweisungsdekrst bekannt gemacht wor. den und hatte die Wiener Gemeindegliedec mit Schrecken, Trauer und innigster Theilnahme für ihre Brüder erfüllt. Sie liefen zusammen, um irgend welche Hilfe zur Abwendung des Schlages zu finden. Aller Augen waren aus D i o g o A g u i l a r!) gerichtet, welcher wegen seiner Dienste für den Kaiserstaat von Maria Theresia'L Vater zum jüdischen Baron erhoben wor. den und dessen Verwendung für dis mährische Inden einige Jahre vorher von Erfolg begleitet war. Allein auch dieser bei Hofe angesehene und beliebte Mann erklärte, gar nichts bei der Kaiserin thun zu können. Sie war so erbittert gegen dis Juden, daß sie selbst Fürsten ihren Unmuth zeigte, welche Fürsprache für die Juden einlsgen wollten. Sie hatte einen Befehl erlassen, daß jeder Jude, der sich in der Hofburg blicken ließe, in den Kerker geworfen werden sollte. Aus diesem Grunde waren d' Aguilar und andere einflußreiche Juden (Berusch Eskeles) in ihrer Thatigkeit gelähmt, sie wagten nicht um Audienz zu bitten. Bei der Nachricht von der Plünderung der jüdischen Häuser und Synazogen in Böhmen hatte die Kaiserin zwar befohlen, daß der Raub den Eigenthümern zurück erstattet werden sollte, aber es blieb todter Buchstabe, da die Juden nicht wagten, Beschwerden dagegen zu erheben. In dieser Relation ist auch angegeben, daß die Kaiserin in ihrem Zorne Anfangs, ohne eine Frist für die Vertreibung zu gewähren, die Ausweisung der Art veranstalten wollte, daß sie dem Dekret auf den Fuße folgen sollte. Nur durch die Be- י) Im Hebräischen verschrieben בארון די אנוילאר statt ו י ל א ר i«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.