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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1885-01-01 · Heft 2 · p. Seite 51

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
34 (1885)
Issue
Heft 2
Article
Sendschreiben über die Austreibung der Prager und böhmischen Juden unter Maria Theresia
Date
1885-01-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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böhmischen Juden unter Maria Theresia. 51 an Nabbinat und Sßorflanb der Gemeinde Venedig 4. 4. 1. Schebat — 4. Januar 1745. Unterschrieben sind vier Notabeln des schwäbischen Kreises, welche eine Tagsatzung in Augsburg abgehalten hatten, um dis Mittel zur Hilfe für dis bedrängten böhmischen Glaubensbrüder zu berathsn. In diesem Sendschreiben, welches die Noth der Prager und anderer böhmischen Gemeinden schildert, flehten sie die Venezianer an, außer Geldsendungen für die Unterstützung der durch Plünderung Verarmten, sich bei dem Nuntius von Venedig zu verwenden, vermtttelst des Nuntius in Wien die Kaiserin zu bestimmen, das Ausweisungsdekret zurückzunehmen oder mindestens die Frist zur Ausweisung — sixirt bis Ende Januar 1745 — auf längere Zeit zu prolongirsn. Wir erfahren horrende Thatfachen aus diesem Sendschreiben. Die Prager Juden waren vom Pöbel völlig ausgsvlündsrt worden, selbst dis Bethäuser wurden nicht verschont, dis Ornamente geraubt, dis heiligen Schriften zertreten. Einige Juden sind bei dem Plündsrungsakts verwundet und erschlagen worden. In den Landgemeinden stnd beim Gemetzel 223 Personen theils getödtet, theils verwundet worden, in Raudnitz, Tsplitz, Sob ort e n (bei Teplitz) und in B ö h m i s ch - L e i v a. In der letzten Stadt blieb die Leiche des zerfleischten Rabbiners mehrere Tags unbeerdigt. Dis Prager Gemeinde konnte ihren Schmerzensruf nicht durch Briefe kund geben; denn diese wurden ausgssangsn. Die in Augsburg versammelten Notabeln mußten daher für sie eintreten, nach allen Richtungen Sendschreiben richten, das Mitleid anflehen und thätige Hufe erbitten. Sie hatten sich an angesehene Inden in London und Amsterdam gewendet, damit diese den König von England und den Statthalter von Holland gewinnen und sie bestimmen mögen, aus dis Kaiserin einzuwirken. Endlich erfahren wir aus diesem Sendschreiben, daß dis Präger Juden unschuldiger Weise angeklagt waren, den vreußischen Soldateu Vorschub geleistet zu haben. Es waren nur einige preußische 4«

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