Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Montefiore, Crémieux und Riesser
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 25)
- Language
- German
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Montefiore, Cre'mieux und Nie her. 409 ״scheinen wollten; ein Jrrthum, der dem Fortschritt wahrer ״Aussöhnung nicht wenig geschadet hat. Nie wird ein Zwiespalt ״der Art durch Vergessen, wie durch feiges Schmiegen und Krie. ,chen von Seiten der Schwächern enden, ein solches wird nur ״Verachtung auf Verachtung häufen. Wo Haß und Zwiespalt ״ist, da muß auch Kamps dagegen sein, der bis zu Ende ge- ,kämpft werden muß; in rohen Zeiten war es ein physischer, ״in gebildeteren ist es meist ein geistiger Kampf; aber nicht min- ״der ein Kampf 1)* *. Und diesen nahm Rießer unermüdlich auf. Wo immer in Deutschlands Ständeversammlungen und Landtagen ein ungerech» tes Wort über Juden siel, wo immer ein Mann von literarischer Stellung jüdischem Glauben oder jüdischem Stamme übel wollte, da erhob sich Rießer sofort, ohne Rücksicht auf die Person. Musterhaft war in dieser Hinsicht seine in 6 Tagen verfaßte, 102 Octav-Seiten starke'), durchaus gelungene Streitschrift gegen den Kirchenrath Paulus, eine Streitschrift, die das Motto trägt: Einen Vater in den Höhen, Eine Mutter haben wir, Gott ihn aller Wesen Vater, Deutschland unsere Mutter hier. ') Wer Rießer las, der mußte mit dem Psalmisten sprechen: ״Ich höre eine Sprache, die ich nie gekannt." Und diese Sprache, und nur sie, als Ausfluß einer reinen und starken Gemüthes hatte Erfolg *). Nach 12jähriger Thätigkeit durfte Rießer sagen: ״Ich mustere vergebens den ganzen Bereich meiner ״Erinnerungen, den ganzen weiten Kreis der Eindrücke des ') Gest. Schr. Bd. IV S. 244 u. 245. *> Gest. Schr. Bd. II S. 83 ss. *) Auch der Denkschrift an die Badische Stündeoersammlung vorgcsetzt s1833). *) Wie tief Rießer selbst von dem Berufe des Schriftstellers erfüllt war, geht aus seiner sehr schönen Sentenz hervor: Jeder Schriftsteller sollte jedes Buch wie sein erstes betrachten." Bd. IV S. 306.