Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Montefiore, Crémieux und Riesser
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 402 (sequence 18)
- Language
- German
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402 Montesiorr, Crsmienx und Rießer. den Deutschlands die Befreiung zu bringen aus den Fesseln mittelalterlicher Knechtschaft, Gabriel Rießer, wurde am Abend des Befreiungsfesies, am Sederabende, den 2. April 1806 in Hamburg geboren. Von beiden Seiten waren Rabbiner seine Ahnen. Seiner Mutter Vater, Raphael Cohn, aus Polen ein. gewandert, war berühmt wegen seines Scharfsinns, wie wegen seines unbeugsamen Ueberzeugungsmuthes. Als Rabbiner der drei verbundenen Gemeinden Altona, Hamburg und Wandsbeck hatte er wiederholt, auch gegen die Mendelssohn'sche Bibelübersetzung, die Keule des Bannes geschleudert, rmd als ihm die Verhängung des Bannes verboten worden, gab er lieber sein einträgliches Amt auf und lebte unabhängig, wenn auch eingeschränkt, als Privatmann. Sein Vater Lazarus Jac. Nießer war der Sohn des Rabbiners in Oellingen im bayrischen Rießthale, so daß die Familie Rießer mit den Begründern unserer hiesigen Gemeinde denselben heimathlichen Ursprung hat. In Gabriel Rießer paarte sich des Ahnen Unabhängigkeitssinn und Ueberzeugungsmuth mit der persönlichen Milde und Leutseligkeit des Vaters. Dieser neigte sich in der zweiten Hälfte seines Lebens den Reformbestrebungen im Judenthume zu und wurde durch sein Ansehen als rabbinischer Gelehrter, dessen häusliches Leben aber noch in der Pflege der Ceremonie wurzelte, eine Stütze des Hamburger Tempels, dem nachmals auch der Sohn von 1840 bis an's Lebensende Vorstand. Das Bild dieses Vaters, der die kommende Größe seines Sohnes von jeher ahnte, dem es aber nicht vergönnt sein sollte, dieselbe auch zu schauen, trug Gabriel im Herzen bis an seinen Tod als ein ״verehrtes, erhabenes, heiliges." Man kann die im I. Bande der gesammelten Rießer'schen Schriften abgedruckten Briefe des Vaters nicht lesen, ohne von der gemüthstiefen, vertrauensinnigen Weise, in welcher der Vater zum Sohne spricht,