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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1884-01-01 · Heft 9 · p. Seite 396

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
33 (1884)
Issue
Heft 9
Article
Montefiore, Crémieux und Riesser
Date
1884-01-01
Page
Seite 396 (sequence 12)
Language
German
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390 Montefiore, Cremieux und Rießer. um sie jedoch nach Jahren mit Paris zu vertauschen. In seinen Plaidoyers, die in politischen Processen meist fiir republikanische Clienten, einmal aber auch für einen anqeklagten Minister Carls X. »zehalten wurden, bewies er viele Beredsamkeit uud großen Muth in der Darlegung feiner Ueberzeugung. Seine forensische Be^edtsamkeit wird characterisirt als ״witzig, anmnthig, bilderreich, voll von Reminiscenzeir an die Classiker Frankreichs nnb der Menschheit, künstlerisch, fast schauspielerisch — und künstlerisch aud) in dem Punkte, daß er überall mit seiner Jndividualilät eintrat. Er erbte das Privilegium Montaignes, von sich reden zu können, ohne dadurch Jemandes Anstoß zu erregen". Auch seine Alliance-Reden sind ähnlich zu charakterisiren. Es sind wenige Grundgedanken, die darin von Jahr zu Jahr wiederholt meisterhaft und in Form annruthiger Causerie variirt werden. Israels Geschichtsmartyrürm, der monotheistische Grundgedanke, der Unsterblichkeitsglaube und der Familiensinn die Hebel für die Sittlichkeit der Juden, Frankreich das Mutterland der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die Religion das einigende Band der Bekennerschast, Aufgaben der Alliance, Kindererziehung zur Religion und Humanität, galanter Apell an die Frauen die Alliance zu stützen, des Redners Alter: alles das kehrt regelmäßig wieder, immer interessant, wenn nach jährigen Zwischenräumen gehört, aber trotz aller blendenden Diction eintönig und flach, wenn hinter einander gelesen. Der Redner e mpfindet das Judenthum, das er nicht wissenschaftlich erkannthat. Eine Würze aller seiner Reden bilden die persönlichen Renriniscenzen des Redners, wie wenn ec etwa in der Reunion von 1878 zum Preise des Alliance-Gedankens erzählt, wie er selbst als junger Mann um die Hand seiner Gemahlin in Metz anhaltend, eine Alliance zwischen Sephardim und Aschkenazim zu Stande gebracht hätte; eine Allianc«, deren Segnungen er durch 50 Jahrs erfahren habe.

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