Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Montefiore, Crémieux und Riesser
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 9)
- Language
- German
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Montefiore, Cr^mieux und Rießer. 393 bensjahr persönlich und nachmals brieflich. So sahen oder hörten ihn drei Czaren-Generationen für die Glaubensbrüder in Rußland und Polen plaidiren, und seine durch oft wiederholte Pilgerschaft documentirle Liebe zum theuren Boden des den! Juden, wie dem Engländer in ihm doppelt heiligen Landes versteigt sich nicht selten von anfänglich rationeller Fürsorge für die nothleidenden Brüder zu immer schwärnierischerer Begünstigung fruchtloser, phantastischer Ideen. In seiner eigenen Lebenssührnng steht Sir Moses, entsprechend seiner politischen Gesinnung, mit der er jedoch niemals kämpfend in die Arena getreten, auf streng conservativem Boden, was wir aufs Tiefste zu schätzen und zu würdigen wissen. Wenn unser Rießer, der persönlich Reformjude war, ohne jedoch die allzuweitgehenden Strebungen seiner Frankfurter Freunde jemals zu billigen, so wirksam für die Gleichberechtigung Aller eintrat, ohne jede Rücksicht auf Altgläubigkeii oder Reform, so hat Montefiore gezeigt, wie selbst die starrste jüdische Orthodoxie einen Philantropen, wie ihn, heroorzubringen vermöge, der für das Elend der libanotischen Christen dasselbe offene Herz und dieselbe offene Hand hatte, wie für die Noth palästinensischer oder persischer Juden. In der Verwaltung der Gemeinde und Gemeinden vertrat Montefiore den Standpunkt des Herkommens bis zu jener scharfen Grenze, von der da gilt: ״Und seine Brüder erkennt er nicht"! Den Reformbestrebungen in England trat er mit größter Bitterkeit entgegen. Von einer eigentlichen Wissenschaft des Judenthums hat Sir Moses nicht die rechts Ahnung und darum auch vor ihr nicht die rechte Achtung, was wir bei seiner hohen persönlichen Stellung innig bedauern müffen. In England, wo in den öffentlichen Bibliotheken so viele Schätze jüdischer Wiffenschaft verborgen ruhen, sind es nur wenige jüdische Gelehrte, fast sämmtlich Ausländer, und sind es nebst diesen nur Christen, welche di«