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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1884-01-01 · Heft 3 · p. Seite 113

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
33 (1884)
Issue
Heft 3
Article
Der synagogale Ritus
Date
1884-01-01
Page
Seite 113 (sequence 17)
Language
German
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Der synagogale Ritus. iiä R. Josua hatte in ein Wespennest gestochen. Der Patriarch, R. Gamaliel II, wollte das dritte tägliche Gebet um . jeden Preis als obligat betrachtet wissen. Er stellte seinen Antagonisten in öffentlicher Versammlung zur Rede, und dieser wurde so sehr in die Enge getrieben, daß er sich selbst ein Dementi gab, das er jedoch selbst zurücknehmen mußte. Mit- und Nach» weit verschafften ihm hingegen eine glänzende Genugthuung: jene, indem sie den Patriarchen suspendirte, diese, indem sie laut verkündete: das Abendgebet ist nicht obligat *)! In Folge dieser Entscheidung mußten die Vorbeter unterlassen, die Tefilla des Abends laut zu recitiren, was bis dahin beim Abendgebete ebenso üblich gewesen mar, wie beim Morgen- und Vespergebete *). Dies ist die ältere Reform, an welche sich die zwei zu erwähnenden angeschlossen haben. Die erste dieser Reformen wurde für den Freitag Abend eingeführt, wo auch die arbeitende Klaffe die Synagoge zu besuchen pflegte. Die einleitenden Psalmen wurden zu jener Zeit noch nicht recitirt. Der Dichter des Lecho Dodi war noch lange nicht geboren. Den figurirten Gesang kannte man nicht einmal dem Namen nach. Viele erhoben daher eine Klage, die man heutzutage sehr selten vernimmt: der Gottesdienst ist gar zu kurz! Wenn wir in die Synagoge kommen, ist derselbe oft schon beendet, so daß wir einsam zurückbleiben müssen, um unsere Andacht zu verrichten. Die nächtliche Einsamkeit in den auf freiem Felde liegenden Synagogen war sehr peinlich. Viele glaubten sich gar von Dämonen umgeben und geneckt. So reifte der Entschluß, den Gottesdienst zu verlängern. Es wurde eine, bis auf den Heutigen Tag übliche, Formel redigirt, welche die Quintessenz der ') Jer. Ber. a. a. O. B. das. 27, 2 ff. ») Maim. Trfilla 9,9. GA. Sal. b. Adder. III ed. Livorno Nr. 288. Gra « tz -Frankl, Monatsschrift xx.rm 3. 8

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