Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 32 (1883)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Aus einem Briefe von Prof. Kaufmann an Dr. Egers [Nachricht]
- Date
- 1883-01-01
- Page
- Seite 570 (sequence 1)
- Language
- German
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570 Aus einem Briefe von Prof. Kaufmann m D1-. (5'gers, Mus einem Miefe von Mrof. Kaufmann an Dr. Lgers. ... Sie möchten meine Ansicht über das von Ihnen S. 424 mitgetheilte Gedicht Abraham Jbn Esra's an seinen Sohn hören. Ich betrachte es unbesehen als die Perle des Diwans, als einen Aufschluß der unerwartetesten Art. Wen hat es nicht verlangt zu wissen, ob der Vater von dem Uebertritt des Sohnes etwas erfahren und wie er ihn ausgenommen! Ich hatte, immer eine Art Gefühl davon, daß dieses Ereigniß in Jbn Esra's so räth-. selhaftem Leben von einer noch unerkannten Bedeutung sein müsse. Wird nicht das es gewesen sein, was ihm das Zigeuner- Mut in die Adern goß, von einem Orte zum andern, von Land zu Land und über die Meere ihn jagte? Sollte sein so beredter Mund gerade da geschwiegen haben, wo wir am heißesten ein Wort von ihm begehren! Keine Spur schien in seinen Schriften zu dem ersehnten Räthselw orte hinzuleiten, die Hoffnung׳ schien eitel, hier noch eine Antwort erwarten zu wollen. -Da erschien .dieses Gedicht mit der ganzen gehaltenen Poesie des wortsparenden Schmerzes, ein Seufzer aus gepreßter Brust, kein wilder Schrei; Abraham b. Esra war auch im Leben ein Philosoph. Lange entbehrte er den sernen Sohn, ohne es recht zu beachten, die stille Hoffnung im Herzen, daß er dereinst, ein Augentrost für sein Alter, zu ihm zurückkehren werde. Da׳ riß ihm die Nachricht, daß er aus dem Judenthum geschieden, doppelt geschieden, das Herz entzwei. - Drei Jahre sind seit dieser Todesbotschaft hingegangen, die brennende Kohle ist erloschen (2 Sam. 14,7) und er selber ist nur noch eine Ruine seiner selbst, dem die Zeit das Schlimmste bereits angethan hat, Aber den Namen Jsak kann er noch immer nicht