Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 32 (1883)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Geschichte der Juden in Breslau
- Date
- 1883-01-01
- Page
- Seite 558 (sequence 16)
- Language
- German
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- 558 Geschichte der Juden in Breslau. Abschnitt I jeden Widerspruch und etwaige Vorstellungen ihrerseits von vorn herein abzuschneiden, Stillschweigen in dieser Angelegenheit geboten Im April des folgenden Jahres wurde an die Ausführung der Maßregel gegangen, welche trotz der Aufbietung zahlreicher Arbeitskräfte einen Zeitaufwand von neun Tagen erfordertes., So eifrig war man bei der Sache, daß selbst am Charfreitag diese Arbeit keine Unterbrechung erfuhr. Es wurde denn auch allem Anscheine nach mit der größten Rücksichtslosigkeit verfahren und recht gründlich aufgeräumt; sicher ist, daß auch frische Gräber nicht verschont blieben'). Die Stadt machte sich hierbei auch eines Wortbruchs schuldig, denn im Jahre 1316 war vom Rath der Judenschaft, wie mir bereits gesehen haben, die Integrität ihres Friedhofes zugesichert worden. Und wären auch nur mindestens die Lebenden unangetastet geblieben \ Allein auch sie ereilte größtentheils einige Jahre später das traurige Schicksal, welches so viele Gemeinden in den europäischen Ländern während der schauerlichen Pestzeit (1348—50 etwa) traf. 'Die Breslauer Judenschast sah ganz deutlich das Unwetter, dgs sie zu verderben drohte, herannahen; auch wurde der dortige Rath seitens derselben auf die Gefahr aufmerksam gemacht, die für sie aus der allgemeinen Hungersnoth entstehen mußtet). •) Ib. p. 106. *) Ib. p. 106/7. 8׳) Von den sechszehn der damals fortgeführten Leichensteine, welche im Jahre 1848 wieder an's Tageslicht kamen, stammen drei aus den Jahren 1341—43. Weiteres hierüber in Liebermanns Jahrb. III p. 22 si. 4) Bgl. Arch. öst. Ggu. XXXI p. 108. — Die Lesart »famena* *, wofür Wiener (in Philippsons Zeitung des Judenth. 1864 Octob. 4.) kam am fetzsp wollte, wird auch von Grünhagen, welcher das betreffende Actenstück vor Augen hatte, als richtig bezeichnet (in der Zeitschr. f. Schlef. Gesch. VI p. 869).