Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Kritische und exegetische Analecten zu den Proverbien
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 423 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829556-2829566-2873712--21122-2873747- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42S Kritische und exegetische Analecten zu den Proverbien. Kritische und eregelische UnalecLen zu den Moveröien. Die Knappheit in der sprachlichen Form der hebräischen Spruchdichtung bedingt es, daß einzelne Ausdrücke, zumal solche, deren sich die Spruchdichtung vorzugsweise gern bedient, eine erweiterte Wortbedeutung erhalten, wie sie ihnen anderwärts nicht zukommt. Darauf beruht die den Proverbien eigentümliche Kraft und Schönheit des Ausdrucks, nur dadurch wird es bewirkt, daß ein für die allgenieine Aneignung durch das Gedächtniß bestimmter Denkspruch auch kurz und kernig ist, was die gedächtnißmäßige Aneignung erleichtert. Es bleibt dem Leser solcher Denksprüche manches in Gedanken hinzuzufügen übrig, aber eben darin liegt auch der Reiz für ihn bei dieser Poesiegattung, er genießt gleichsam das Vergnügen mit, selbst mitzuarbeiten an dem, was er liest. Beispiele dafür sind in den Sprüchen Salomo's nicht selten. Hier nur einige davon. Spr. 12, 20 stellt sich מרמה in der Vershälfte a als correspondirendes Glied zu ,שמדור in b dar. Der Gedanke in b: ״von den Heil ersinnenden kommt Freude". Demnach ist es nicht genug, daß in a gesagt wird: Trug wohnt im Herzen solcher, die Unheil bereiten. מרמה muß im weiteren Sinne als T r u g und davon ausgehendes Verderben zugleich verstanden werden, sodaß der Sinn in a ist: Trug und Verderben kommt aus dem Herzen der Böses Sinnenden, wozu dann b: ״und von den Heil Ersinnenden kommt Freude." Spr. 15,19 nach der vulgären Auffassung: der Weg des Trägen ist wie mit Dornen verzäunt, aber der Pfad der Redlichen ist gebahnt. Bei dieser Auffassung vermißt man de»