Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der Gedächtnißrede am Sterbetage des Stifters des jüdisch-theologischen Seminars, Jonas Fränckel, am 27. Januar
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 6)
- Language
- German
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des jüdisch-theologischen Seminars, Jonas Frankel. 127 Aber die Folgen ihrer Pflichtversäumniß und ihrer Einmischung in die Politik sind geblieben. Sie haben die Meinungsdifferenz und die Trübung der Ueberlieferung verschuldet, welche von Generation zu Generation so sehr zugenommen haben, daß R. Josö es tief beklagte und den drastischen Ausdruck dafür gebrauchte: Aus der einheitlichen Lehre sind zwei geworden. Auch hier hatte eine geringe Ursache eine weittragende Wirkung. diese Zugeneigtheit nur eine Folge der Versprechungen, welche diese Eid- Verweigerer denselben gemacht hatten, namentlich der Frau des Pherorasdaß ihre Nachkommen Könige von Judäa sein werden. Josephus stellt Ursache und Folge irrthümltch dar. Hatten doch diese Pharisäer noch mit andern Personen Geheimnisse. Unter Anderen nennt Josephus den Eunuchen Bagoas, dem sie Manneskraft und Nachfolger verheißen, und des Herodes Liebling ßarus. Das war ja geradezu eine Verschwörung. Die Thatsache von dem geheimen Verkehr der Jünger aus den Schulen mit denenwelche Herodes' Untergang vorbereitet haben, kann demnach als feststehend angenommen werden. Freilich muß man dabei mehr an die Schammaiten denken; denn nach Josephus' Schilderung waren diese Eidverweigerer zugleich Zeloten und Gegner des Königthums. — Daher nmb ihre angebliche Prophezeiung für Pheroras' Frau und den Eunuchen Bagoas wohl eher eine Mysüfication für die Leichtgläubigen gewesen sein.