Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der Gedächtnißrede am Sterbetage des Stifters des jüdisch-theologischen Seminars, Jonas Fränckel, am 27. Januar
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 1)
- Language
- German
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122 AuZ der Gedächtnißrede am Sterbetage des Stifters Ms der Gedächtnißrede am Sterbetage des Stifters des jüdisch-theologischen Seminars, Zonas Iränckel, am 27- Januar, gehalten von Pros. Grartz. Es ist eine eigne Erscheinung der actuellen Zeitgeschichte, daß einerseits die Religion in das Gebiet der Politik hinübergreift und anderseits die Politik sich der Religion als eines Hebels zu bedienen trachtet. Lassen wir es dahin gestellt, ob diese Erscheinung ein Sr-mptom von Gesundheit oder Krankheit ist,, und beschränken unsere Betrachtung auf das Judenthum. Dieses hat von seinen ersten Anfängen die beiden Gebiete streng auseinander gehalten . ..Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exile lebte das judäische Volk mehrere Jahrhunderte, wenn auch im eigenen Lande, ohne politischen Untergrund, im Schatten der Fremdherrschaft, lediglich hingegeben der friedlichen Beschäftigung mit Ackerbau und der gewissenhaften Erfüllung der religiösen Pflichten. Nur die Frechheit des halbwahnsinnigen Desvoten Antiochos Epiphanes drückte den Makkabäerhelden zur Vertheidigung der Religion das Schwert in die Hand und zwang sie, sich mit der Politik zu befassen. Der idumaische Ränkeschmied Herodes, klüger und rafftnirter, entwand dem Makkabäerfürsten in Verbindung mit Rom das Schwert aus der Hand und setzte seinen Fuß auf den Nacken des judäischen Volkes. In diese Zeit, ein Jahrhundert vor dem Untergang des judäischen Gemeinwesens, zogen sich die Vertreter der Religion vom öffentli-