Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 9 (September 1881)
- Article
- Jacob Bernays
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 386 (sequence 2)
- Language
- German
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386 Jacob BcniayS. darüber härmt, daß ihm die besten Stoffe schon vorweggenommen sind. Wo Bernays grub, da war er sicher, einen Quell zu entdecken. Und er begnügte sich nie damit, eine geistreiche und neue Hypothese leichthin auszusprechen, sondern er nutzte zu ihrer Begründnng alle Mittel der philologischen Methode und einer immensen Gelehrsanlkeit. Seine Abhandlungen haben in ihrer Beweissührung fast immer einen abschließenden Charakter. Nie merkt man bei ihm die bei kleinlichen Gelehrten so häufige Lust, sein Wissen zur Schau zu stellen, mit seiner Gelehrsamkeit zu prunken. Es giebt in gelehrten Arbeiten nicht selten einen Neichthum an mühsam zusamniengclesenen Citaten, der uns beängstigt, der uns erdrückt und verwirrt. Wenn wir einen ungeschickten Mensehen auf steilein Pfade mühsam vorwärts wanken sehen, so haben wir das Gefühl der-Bestürzung, wenn einer aber gerade und sicher auf ihm dahinschreitet, das der Genugchuung und Erhebung. So kann Bernays tu die entlegensten Gebiete einbiegen, mir merken sofort, daß er auch dort zu Haus ist und nicht irre gehen kann, daß er den Stoff vollständig beherrscht. Seine Bücher sind künstlerisch gegliedert und es ist eine Lust, dem Fortschritte der Untersuchung zu folgenwohl nie schweift er von seinem Thema ab, er bleibt streng bei der Sache, und wenn er einen Nebenweg einzuschlagen scheint, so erkennt man bald, daß auf ihm das Ziel nur rascher erreicht wird. Das Geringfügige selbst ist mit Sorgfall behandelt, aber der Autor weist Allem die rechte Steile an, und das Wichtige und Entscheid dende ist bedeutsam hervorgehoben. So streng war er in den Ansprüchen gegen sich selbst, daß von der berufensten Seite ihm schon in jungen Jahren nur die Mahnung zu Theil wurde, die Kastanien nicht zu lange braten zu lassen. Zwei seiner Arbeiten, die in Seminarprogrammen veröffeutlicht worden sind, beschäftigen sich vorwiegend mit Untersuchun