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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1881-08-01 · Heft 8 (August 1881) · p. Seite 238

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
30 (1881)
Issue
Heft 8 (August 1881)
Article
Jacob Bernays
Date
1881-08-01
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
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338 Jac»b Bernays. verliehen. Die Ungunst ihres persönlichen Schicksals wurde zur Gunst für die junge Pflanzstätte theologischer Wissenschaft. Ganz besonders gilt dies von Jacob Bernaps, der ein Jahrzehnt hindurch am Seminar thätig gewesen ist und demselben stets eine große Theilnahme geschenkt hat. Jeder, der das Glück hatte, von ihm unterrichtet zu werden, wird es dankbar anerkennen, daß er von diesem Unterricht nicht nur Mehrung seines Wissens, sondern eine Förderung der ganzen geistigen Entwicklung, Bildung des Charakters, Frucht für das Leben davongetragen hat. Er ließ seine Schüler hineinschaucn in . die Werkstätte seines Geistes, er lehrte Methode, er schulte die Köpfe seiner Zuhörer, und wenn es wahr ist, daß wir in der Studienzeit lernen sollen, was und wie wir später nach beendigter Studienzeit selbst zu lernen haben, so gab er hierzu die beste Anweisung. Gerade die Philologie hat bekanntlich unter ihren Jüngern die meisten Pedanten; die peinliche Genauigkeit, welche den Erfolg jeder wissenschaftlichen Arbeit auf diesem Gebiete so wesentlich bedingt, entwickelt sich bei beschränkten Naturen zur Pedanterie, die solche Leute zum Kreuze ihrer Schüler macht. Bernays war weder in der Wissenschaft, noch in seiner Lehrthätigkeit ein Pedant, obgleich seine strenge Gewissenhaftigkeit sowohl in der Forschung, wie in der Erfüllung seiner Berufspflichten kaum übertroffen werben kann. Es ist nichts so schwer als studirende Jünglinge zu erziehen, sie geistig und sittlich auf die rechte Bahn zu lenken; der Pedant wird dies nie erreichen. Durch das Schablonenhafte seiner Vorschrift erhält er seine Schüler in Unselbstständigkeit, daß diese nie selbst ihre Kräfte recht brauchen lernen, daß ihre eigenthümlichen Fähigkeiten und Vorzüge nie zum Vorscheine kommen. Der Pedant kennt nur sich selbst, er hat vor sich den größten Respect und läßt eine andere Jndividualität nicht gelten: er ist das Maß aller Dinge; wer so ist

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