Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 9 (September 1880)
- Article
- Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte
- Date
- 1880-09-01
- Page
- Seite 403 (sequence 19)
- Language
- German
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Shptock in der Sage, im Drama und In der Geschichte. 403 wenigstens allbekannt gewesen sein muß. Wäre das Ganze ersnnden, so hätte er befürchten müssen, Lügen gestraft zu werden. Er erzählt es ferner anknüpfend au die außerordentliche, auch sonst bekannte Urtheils- und Thatenslrenge dieses Papstes und bemerkt dabei, daß Sixtus nicht gewöhnt war, von dem einmal von ihm ausgesprochenen Verdikt abzugehen. Leti nennt ferner die Namen der Wettenden vollständig: Paolo Maria Secchi, der Christ, und San so ne de Ceneda,der Jude. Sollte er diese erfunden haben? Er nennt noch dazu den Cardinal Montalto, der ein Verwandter des Papstes mar, an den!ich die Freunde beider Parteien gewendet hätte», um eine Milderung des Todes» urtheils herbeizuführen. Das sind lauter Anzeichen historischer Treue. Und endlich bestätigt der Uinstand di« unverdächtige Geschichtlichkeit der Erzählung, daß der Christ der grausame ist. Hätte Leti diese ganze Geschichte erfunden, so hätte er wohl eher der» Juden die Roll« der Hartherzigkeit zugetheilt, wie es Fiorentino, die Legendenerzähler und Shakespeare gethan haben. Secchi gegen den Inden aus Mestre oder gegen Gernutus und Shylock gehalten, kanir man nicht einen Augenblick zweifel- Haft sein, auf welcher Seite die historische Realität ist. Jener tritt aus einer harmlosen, unverdächtigen Erzählung heraus, mährend dieser von Ursprung an mit der sagenhaften Unwirklichkeit behaftet ist und noch dazu sich als Geschöpf der vorurtheilsvollen Eingenomnrenheit gegen die Juden erweist. Wäre es nicht ebenso wahnwitzig, wie empörend, nach dem Beispiele des Kaufmanns von Nom in Dichtung oder Ernste die Behauptung auf« zustellen: die Christen im Allgemeinen lechzen mit Gier nach dem Fleische oder dem Leben der Juden? Um so empörender müßte es sein, gegen die Juden eine solche Anschuldigung zu wieder« holen, wofür auch nicht der matte Schein einer faktischen Grund« läge vorhanden ist. LS*