Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 9 (September 1880)
- Article
- Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte
- Date
- 1880-09-01
- Page
- Seite 395 (sequence 11)
- Language
- German
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Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte. 395 nicht, bis auch dieser in die Anklage des Hochverraths hineingezogen und in den Tower gesetzt wurde. Dieser Vorgang brachte in London eine erstaunliche Aufregnng hervor. Es hieß: nur ein Jude sei im Stande, einen so verrnchteil Plan zu fassen, sich gegen das Leben zweier theuren Personen zu verschwören, gegen das der Königin 1»nd des Königs Antonio. Die Körrigin selbst glaubte zwar nicht daran, sie hatte ih>l immer bewährt gefunden, aber Essex ruhte uid)t eher, bis der Oberrichter Eduard Coke, der berüchtigte Justiz«,örder, zun, Kronanwalt in dem Hochverrathsprvceß gegen Lopez ernannt wurde. Dieser schnauzte den Angeklagten öfter als meineidigen und verrätherischen Juden an, der schlimmer als Judas sei. Zum Beifall von ganz England wurde Lopez endlich als des Hochverraths schuldig verurtheilt. Mehrere Wochen hintereinander verweigerte zwar die Königin die Bestätigung des Todesurtheils; aber Essex drängte so ungestüm in sie, daß sie nicht umhin konnte, die Hinrichtung zu gestatten. Im Frühjahr 1594 wurde Nodrigo Lopez in Tyburn als Hochverrälher gegen die Königin gehängt. Die Akten weisen aber aus, daß er unschuldig verurtheilt und hingerichtet worden war. Nichts desto weniger unterhielten und steigerten fünf Pamphlete die Aufregung der englischen Bevölkerung durch Darstellung dieses ProceßeS, und in allen Kreisen wurde Lopez ״der Jude" genannt. Auf einem Bilde von ihm am Galgen befindet sich die Inschrift: pro׳ ditorum 110 18 funis. Nach dem schmachvollen Tod« besten, der in England gewissermaßen die Juden repräsentirt hat, ist es nicht mehr befremdlich, daß diese dort gehaßt und verachtet wurden. In demselben Jahre, in dem Lopez' Hinrichtung stattgefunden hat, sind drei Dramen aufgeführt worden, welche einen Juden in das häßlichste Licht stellen, und der Zulaus zu diesen Stücken war außerordeutlich. Der damalige Impresario des Theaters von BlackfriarS,