Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 8 (August 1880)
- Article
- Shylock in der Sage, im Drama und in der Geschichte
- Date
- 1880-08-01
- Page
- Seite 354 (sequence 18)
- Language
- German
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354 Shylock in b« Saft«, im Drama und in der Geschichte. einem Gebiete, wo von jeher und noch jetzt Christen wohnen. ES ist daher wahrscheinlich, daß die Sage dorthin aus christlichen Kreisen nach den: Orient gedrungen ist. Diese Annahme bestätigt vollends die Vergleichung mit einer ganz ähnlichen Erzählung, welche aus Persietl stammt, in welcher die Religion der beibeu Contrahenten gar nicht angegeben ist. Es wird einfach erzählt: Eine Person machte eine Wette mit einer andern, daß, wenn sie verlöre, die andere berechtigt sei, ein bestimmtes Gewicht vom Fleische ihres Leibes auSzuschneiden. Da der Gewinnende auf dem Vertrage bestand, gingen beide zum Kadi, und dieser gab in bekannter Weise die Entschei׳ düng, daß bei Strafe der Ausschnitt nicht mehr oder weniger als verabredet betragen dürfeSo unduldsam auch die Perser von jeher gegen die Juden waren, so ist es ihnen doch nicht eingefallen, den ihnen Verhaßten eine gesteigerte Grausamkeit und Lieblosigkeit aufzubürden. Das war Sache des christlichen Judenhasses, neben Hostienschändung, Christenkinder-Schlächterei, Brunnen-Vergiftung auch einen jüdischen Shylock zu erfinden. <Schl1>» folgt.) I־t *) Francis Godwin, tho Peririan Mooagcbee II, Pleasant Stories Nr. ZUI, p. 8 Lbersetzt ans dem persischen Original: A Person laid a wager nitb onother, that if be did non win, tbe other might cut off a ■eer of flesh from bis body. 7