Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 4 (April 1880)
- Article
- Abu'l-Walid Mervan Ibn G'anah's Leben
- Date
- 1880-04-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 Abu'l-Walid Mervan Jbn G'anah's Leben rc. higkeiten entfalten zu lassen auf den verschiedenen Gebieten, die damals die menschliche Thätigkeit in Anspruch nahmen. Plvtzlich sieht man unter ihnen Diplomaten, Finanzmäuner, Kaufleute; aber nicht minder Gelehrte, Philosophen, Grammatiker, Aerzte, Dichter. Einige ganz besonders bevorzugte Männer unter ihnen verlassen ihre Geschäftslocale (Comptoirs), um die Staatseinkünfte zu verwalten, und nachdem sie die Angelegenheilen des Staates glücklich geordnet, suchen sie im Studium und in der Poesie Erholung ihres mühereichen Lebens. Bon der Kanzlei gehen sie iu's Bet ham-niidrasch oder in die Lehr- Häuser, und nachdem sie in arabischer und lateinischer Sprache die wichtigsten diplomatischen Unterhandlungen geführt, lehren sie zahlreiche Schüler die verschiedenen DiSciplinen der jüdischen Theologie, Bibelexegese, Erklärung des Talmud und Religions- Philosophie. Ist es doch bekannt, welchen Rang der Arzt Hasda! den Jsaac ben Esra Jbn Schaprut, der Nasi am Hofe uou Cordova, als Minister des Khalifen Abderraman des III. und seiner Nachfolger einnahm; nicht minder kennt man die hohe politische Stellung, welche später der NLgid, Samuel ibn Nagdela bei den Königen von Granada, Habus und BLdis, einnahm. Und dennoch haben beide den lebhaftesten und thätigsten Theil au den großen grammatischen und linguistischen Streitigkeiten, die ihre zeitgenössischen Gelehrten aufgeworfen hatten, genommen. Denn in jenen Zeiten konnte man wegen einer graminatischeu Negel, wegen Erklärung eines Bibeloerses, wegen der Verbesserung eines Verses, den man der Oeffentlichkeit übergab, recht hitzig werden. In den Versammlungen, die bei einem einflußreichen Gemeindemitgliede abgehalten wurden, war die Besprechung eilte sehr lebhafte und ungeschminkte; oft führte der Uebereifer, de» ein muthmaßlicher Fehler die vorzüglichsten literarischen Kämpen begehen ließ, zu Beleidigungen und stiftete einen Haß, der nicht immer ohne Gefahr für die Sicherheit der Gelehrten war.