Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 28 (1879)
- Issue
- Heft 8 (August 1879)
- Article
- Geserah Schawah
- Date
- 1879-08-01
- Page
- Seite 369 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gcserah Schawah. Irr Ermangelung einer wissenschaftlichen Exegetik, die wir bis jetzt noch nicht besitzen, müssen wir die leitenden Grundsätze der Exegese zuvor etwas genauer betrachten. In der Exegese herrscht das Streben vor, das Gedachte oder Geahirte, wie es durch Schriftzeichen uns überliefert ward, speeiell die Bibel, wiederzufinden uub zu erkennen. Wäre nun der erkeirnende Geist eine tabula rasa, der das zu Erkennende und Berzeichnete ohne jede Zugabe und Einmischung aufnimmt, so würde das Lexicon und die Grammatik, und allenfalls einige archäologische und historische Studien genügen, den objeetiveu Textinhalt klar zu legen; es wäre dann ein rein Hermeneutisches Verfahren, bei dem es sich lediglich mir den Text handelt. Es käme dabei nur die Erwägung, ob der Abfasser des Schriftdenkmals auch den richtigen Ausdruck des von ihm Gedachten oder Geahitten gefunden, rtnd ob er dieses nach allen Seiten erfaßt und in sich aufgenommen hat. Dies wäre aber dann nur eine Kritik des VersasserS uitd seiner Schrift, und gehört unr zum Theil in׳ das Gebiet her Exegese. Der menschliche Geist ist aber nie so klar und durchsichtig; er ist vielinehr bestimmt und eingenommen. Seine natürliche Beschaffenheit und seine Anlagen, seine Anschauungen und Erfahrungen, Voraussetzungen und Annahmen beeinflußen und leiten ihn, einen andern, nenne« wir ihn, subjectiven Inhalt, zu ermitteln und attszufinden, als der objeetive Textinhalt sich darbietet. Ter von ihm ermittelte und augenomntene Inhalt ist ihm aber darunt doch nur der allein richtige und wahre; von dem ׳er sich nicht losmachen kann, weil er in seinem Wesen und in seiner Wahrnehmung begründet ist, uub eine Ueberzeugung daraus sich hervorgebildet hat. Eine Berichtigung desselben kann nur da eintreten, wo diese noch iticht zur Gewißheit constatirt ist. Es gilt nun bei exegetischen Studien, den subjectiven sup׳ M«»»tStchrist XXV1U. 8. 24