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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1878-01-01 · Heft 9 · p. Seite 386

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
27 (1878)
Issue
Heft 9
Article
Zur Geschichte der Falaschas (abessinische Juden)
Date
1878-01-01
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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386 Zur Geschichte der Falaschas sabessinische Juden). Zeiten das kaiserliche Szepter Aethiopiens oder wenigstens eine mächtige Königsherrschaft in den Gebirgen Abessiniens in starker Hand. Es waren wahrlich keine Scheinfürsten, sondern gewaltige und kriegerische Herrscher, der Schrecken ihrer Feinde. Zwar wurden auch sie wieder herabgestürzt von der Höhe, zu welcher sie emporgedrungen waren und ihre Macht auf ein kleineres Gebiet beschränkt. Aber über dieses herrschten sie noch Jahrhunderte hindurch als fast selbstständige Könige, die sich oft genug ihrem obersten Lehnsherrn, dem christlichen Kaiser Aethiopiens, im kriegerischen Kampfe entgegenstellten. Als die fanatischen Mönche des Abendlandes, die Söhne derer, welche die Juden aus Spanien und Portugal vertrieben und dort die blutige Inquisition errichtet hatten, im Laufe des sechszehnten Jahrhunderts den Weg zum Hofe und zum Herzen des Negus Negest (Kaisers) von Abessinien gefunden und zu Anfang des folgenden Jahrhunderts den Kaiser Susneos vom koptischen Glauben zum Katholizismus bekehrt halten, nahmen sie Aergerniß an der freien Existenz eines jüdischen Volksstammes und einer jüdischen Fürstendpnastie. Nur zu gut verstanden sie es, den grausamen Susneos zur Vernichtung der verhaßten Rasse anzustacheln. Ein wahrer Vertilgungskampf wurde mit schmählichem Verrath und gewaltiger Uebermacht unternommen, und das jüdische Königreich zu Boden geworfen. Aber auch hier schlummerte und schlief der Retter Israels nicht. Nicht völlig wurde die Macht der Juden zertrümmert, ein kleines Gemeinwesen blieb in Semisns Bergen zurück, geduldet von den wieder von Rom abgefallenen und milder gewordenen Kaisern, und bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts waren Gideon und Judith, wie Fürst und Fürstin') gewöhnlich ') Die Fürstinnen spielen in der Geschichte der Falaschas eine bedeutende Rolle, wobei zu bemerken ist, daß die abessinischen Juden die sonst im Lande herrschende Vielweiberei nicht dulden.

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