Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Mardochai ben Hillel, sein Leben, seine Schriften und die von ihm citirten Autoritäten
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 17)
- Language
- German
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823 Mardochai ben Hillel, hebt Mose Iss erlös mit Recht den compilatorischen Character des, aus den verschiedensten Schriftwerken zusammengetragenen, Buches hervor '), das Abschreiber und Ballhorne aller Art zu Kürzungen und Zusätzen gleichsam einladet, welche beim Mangel eines inneren Zusammenhanges zwischen den einzelnen Partieen überall leicht angebracht werden konnten. Aber diese Erklärung allein reicht nicht aus. Die halachische Literatur hat, besonders aus der Zeit vor und nach den: Mardochai, viele ähnliche Sammelwerke aufzuweisen, und Manches unter ihnen, wie z. B. ״Schibbole Ha-Leket" und ״Semak", ist in der That auch arg genug verstümmelt worden; aber so schlimm wie dem Buche des Mardochai ist es keinem zweiten mehr ergangen. Hier haben noch ganz andere directe Ursachen mitgewirkt. Abgesehen von dem weitgehenden, in seinen Folgen nachtheiligen, Einflüsse, den, wie wir sehen werden, Samuel Schlettstadt auf die spatere Gestaltung des Mardochai geübt hat, mar auf die schwankende Fassung und den verschiedenartigen Inhalt desselben zunächst der bereits (ob. S. 284 flg.) hervorgehobene Umstand von Einfluß, daß Mardochai das Buch nicht bei Lebzeiten abschließen konnte; sondern daß seine Schüler das von ihm gesammelte Material erst nach seiirem Tode geordnet und zusainmengestellt haben. Das ist wohl die nächste Ursache der verschiedenartigen Abschriften, die von diesem Buche cursirten, aber auch die Entstehungsursache der in der jüdischen Literaturgeschichte beispiellos dastehenden Erscheinung, daß von einem und demselben Buche zwei so grundverschiedene und streng gesonderte Bearbeitungen heroorgehen und sich neben einander erhalten konnten, wie es beim Buche des Mardochai mit der rheinischen und der ö st r e i ch i s ch e n Redaction desselben der Fall ist. ') G a. Nr. 100, 5.