Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 4
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 3)
- Language
- German
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174 George Eliot und das Judenthmit. Lawine die Staaten knickend, über die er hingeschritten. Die Welt mochte er überwinden, aber denen gegenüber, die seine Urheber waren, blieb er wirkungslos. Aus der Heimath versprengt, stoben sie auseinander in alle Lande, äußerlich zerrissen, unsichtbar geeint. Das Starre im Beweglichen, das Ewige im Vergänglichen, so gingen sie durch die Zeiten, stumpf gegen alle Lockungen, gegen alle Bedrückungen gefeit und wie empfindungslos. Wie eine dunkle Nothwendigkeit, so nahmen sie ihr Schicksal hin, sie fragten nicht: Wozu? Sie hatten eine Aufgabe, sie mußten leben und weiter vererben, was durch die Abfolge der Geschlechter als unverletzliches Vermächtniß auf sie gekommen war. Blut und Thränen haben ihre Spur bezeichnet, aber in ihnen glühte das Vertrauen auf den endlichen Sieg der Wahrheit, und sie glaubten, sie wußten, daß diese nur bei ihnen war. So haben sie, von Allen bedrückt. Alle überdauert, und als das Licht einer besseren Zeit auch ihnen anzubrechen anfing, da bestrahlte es ein Volk, das nach achtzehnhundertjähriger Bedrückung und Verfolgung an Zahl größer war als in den Tagen seiner höchsten staatlichen Blüthe und alle Literaturen des Erdkreises mit seinen Geistesschätzen bereicherte, nachdem man ihm vergeblich Licht und Luft seines geistigen Lebens mit allen Ränken der Unmenschlichkeit abzuschneiden versucht hatte. Der Erbfeind aller großartigen Erscheinungen ist die Gewohnheit, wie man denn längst bemerkt hat, daß nur darum der Haushalt der Natur uns weniger wunderbar anmuthet, weil wir von Kindesbeinen an darin schalten dürfen. So hat man sich denn auch an die Thatsache der Juden gewöhnt und ist gegen das Wunder stumpf geworden, das sich in ihrem Dasein uns aufdrängt, was Heine schon in der bekannten Wendung ausgesprochen hat, daß man eigentlich meilenweit gereist kommeil vlüßte, um einen Juden zu sehen, daß aber ihrer auf der Welt gu viele seien. Allein der Stumpfsinn ist kein allgemeines Uebel und zuweilen