Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 2)
- Language
- German
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334 Recensionen. wo man den Judenhaß noch nicht kannte, ihrer Betriebsamkeit eben bedurfte. Die Plätze mit günstigen Handelsbeziehungen^ erhielten den Vorzug. München war ihnen gelegen, weil es im Mittelalter eine wichtige Station für den Landhandel vor Nürnberg über Venedig nach dem Orient war (S. 4l). Hein^ rich der Löwe legte die Stadt 1158 an und bereits 121Ö erH hielten die Juden die Erlaubniß, eine Synagoge zu erbauen,» fünfzehn Jahre später auch einen Friedhof anzulegen. WahrD scheinlich waren es durch Philipp August aus Frankreich ver-> triebene Flüchtlinge, die hier ein Asyl suchten. Ihr Hauptnahrungszweig war das Geldgeschäft, wie überall.! Vor allen andern schloß die Eifersucht der Gilden und ZünW sie strengstens aus. Dazu kam, daß die Kirche das Zinsenneh-I nien mit den strengsten Strafen an christlichen Gläubigern ahndete.» Sehr treffend ist darum die vom Vers. (S. 18) citirte Bemer-1 ku-ng Neuman's in seiner Geschichte des Wuchers in Deutsch-» land: ״Die Christen wären nie so rettungslos in das Elend! der Verschuldung Hineingetrieben worden, wenn das Wucherver-z bot der Kirche nicht mit der eisernen Hand des religiösen Glau-! benssatzes jede andere gesunde Entwickelung des Capitalnntzerss darniedergehalten hätte. Der Zorn der ,Verfolger und das Blut! der Verfolgten schrie auf gegen das Gesetz der Kirche." Wenn doch! die Verfertiger judenfeindlicher Schmähschriften und Leitartikel in! unseren Tagen auch hieran ein klein wenig sich erinnern möchten!1 So lange die Juden Geld liehen, waren sie gern gesehen,! Wenn sie es aber mit den ihnen garantirten und von staatli-! chen und städtischen Behörden zu wiederholten Malen gesetzlich! normirten Zinsen einforderten, und wenn dadurch ihr Vermö-I gen anwuchs, so wuchs auch der Neid und das Verlangen, der! lästigen Gläubiger ledig, zu werden. Natürlich trug der Haß! gegen die Ungläubigen, den böswillig ersonnene und gern ge-! glaubte Märchen verstärkten, sein erklekliches Theil dazu bei,! die Gemüther der Gläubigen vollends zu verbittern. Blutige! Judenhetzen waren die unausbleibliche Folge. Nichts desto we- Niger hielten die Juden stand, so lange es nur immer angehen! wollte. Geistvoll vergleicht sie ein neuerer Schriftsteller mit den! Bewohnern vulkanischer Gegenden, denen durch langjährige Ge-, wohnheit geringere Bodenerschütterungen, wie mau erzählt, nicht!