Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Mythenmischung in der Hagada
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 7)
- Language
- German
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Sagengeschichte, wie zur Mythologie der Aegypter, Phöniker u. Griechen. 231 ses, Hermes und Tüt verübt hat'). Die Konstruktion der Hagada läßt uns auch in manchen Einzelheiten die Vorlage deutlich wiedererkennen. Denn offenbar bezeichnet die Hagada bloß deshalb ein Weib — Serah — als die Finderin von Joseph's Grabstätte, weil in der ägyptischen Vorlage ebenfalls ein Weib — Isis — um die Auffindung des Osiris-Leichnams bemüht ist. Um dieser Harmonisirung willen muß das gesammte jüdische Volk ein hervorragendes Ereigniß, wie die Versenkung von Joseph's Sarkophage, gänzlich vergessen haben, während der einzigen Serah mit der schwächlichen Begründung, daß ״sie allein von den Zeitgenosien Joseph's noch am Leben war", die Finderrolle zugetheilt wird! Gewiß auch ist der Anklang des Namens A s s e r, des Vaters der Serah, an beu ägyptischen Namen des Osiris, A s s a r (nach hieroglyphischer Schreibung kosiri) bei der Konstruktion des Sagengemenges, aus welchem UNsere Hagada hervorgegangen ist, nicht ohne bestimmenden Einfluß gewesen. Bei Kompromißen spielen ja oft die scheinbar unwesentlichsten Umstände eine wichtige Rolle. Endlich erinnert die Angabe, daß ״Moses drei Tage und drei Nächte umhergeirrt sei, um den Leichnanr Joseph's zu finden" augenfällig an die ״umherirrende Isis (nXav0jf.1evrjV de Ttdvrrt xcd dtnoqovdav)״, Dieser nur im Midrasch vsutsronomium (a. a. O.) aufbewahrte Zug ist gewiß alt, seine Uebertragung auf Moses aber ist eine aus der Anlage der Hagada sich ergebende Nothwendigkeit. ,Fortsetzung folgt.) ') Freudenthal, Hellenistische Studien S. 154.