Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Mythenmischung in der Hagada
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 14)
- Language
- German
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190 Mythenmischung in der Hagada. Ein Beitrag zur jüdischen kommen und bie man deshalb auch mit Recht für die eigentlichen Kennzeichen des Horuskindes hält.* *) Hiernach darf inan dann füglich behaupten, daß der Horusmythus nach seinen äußereu Zügen in der talmudischen Hagada in reiner und ursprünglicher Form, jedenfalls in einer reineren und ursprünglicheren als in der griechischen und römischen Mythologie sich erhalten hat. Aber es läßt sich auch mit gutem Grund vermuthen, daß die Tradition, wie sie in unserer Hagada vorliegt, mit der inneren Bedeutung des Mythus woyl vertraut war und sie unverfälscht bewahrt hat. Im Zusammenhänge unserer Hagada findet sich die Ansicht ausgesprochen, daß das Kind vor der Geburt Alles — d. h. jüdisch gesprochen ״die ganze Thora" — wisse. Daß diese Ansicht von außen in das Judenthum eingedrungen, kann man (wenn es dafür überhaupt eines Beweises bedarf) daraus ersehen, daß sie nur im Zusammenhangs unserer Hagada (und in beiläufiger späterer Anwendung Jalkut, § 38) vorkommt und sich über den Werth einer hagadischen Meinung überhaupt nicht erhoben hat. Aber die Frage ist: woher hat das Judenthum diese Lehre empfangen? Man wird ant- Worten: aus der platonischen Philosophie. Allein bei dieser Antwort kann man sich, trotz des bedeutenden Einflusses, den Plato auf hellenistische Kreise ausgeübt hat, 2) im gegenmärtigen Falle nicht beruhigen. Denn wann, wie und weshalb sollte diese Lehre grade mit dem Horus- Mythus verflochten worden sein, wenn sie jemals unabhängig davon als platonische Originalmeinung wäre v org etr agen worden? Ich bin deshalb der Ansicht, daß die Lehre von der vorzeitlichen Allwissenheit der Seele (so gut wie alle übrigen in unserer Ha- ') Pauly's Realeucyklop. a. a. 0. und Reinisch a. a. O. *j Bei Philo kommt wohl die platonische Lehre von der Präexistenz, aber nicht die von der vor. S. Siegfried, Philo von Alexandrien S. 242.