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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1876-01-01 · Heft 5 · p. Seite 183

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
25 (1876)
Issue
Heft 5
Article
Mythenmischung in der Hagada
Date
1876-01-01
Page
Seite 183 (sequence 7)
Language
German
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Sagengeschichte, wie zur Mythologie der Aegypter, Phöniker u. Griechen. 183 Schon die eine Angabe in der talmudischen Schilderung, daß ein Engel dem Kinde im Augenblicke der Geburt einen Streich auf den Mund versetze, genügt hinlänglich, um die Abhängigkeit derselben von dem ägyptischen Horusmythus einleuchtend zu machen. Denn der hier erwähnte seltsame Vorgang ist offenbar nichts anderes, als eine Nach- und Umbildung der Geberde des an den Mund gelegten Fingers, welche das charakteristische Merkmal der Horusbilder ist. ') Aber auch das Erscheinen des Engels in der talmudischen Sage weist auf die gegebene Ableitung hin. Denn dieser, der sonst ein wahrer Angelus ex machina wäre, wird erst dann, wenn man ihn als den monotheistischen Ersatz für den heidnischen Gott ansieht, verständlich. Der Gott vollzieht den Fingerdruck selbst, bei dem neugeborenen Kinde muß ein Engel für ihn eintreten. Somit ist uns in der talmudischen Hagada ein Beispiel von der Uebertragung heidnischer Vorstellungen in monotheistische Gedankenkreise geboten, wie es zugleich belehrender und interessanter kaum gedacht werden kann. Noch deutlicher aber wird die Abhängigkeit der Hagada von dem Horusmythus durch die Angabe der ersteren erwiesen, daß auf dem Haupte des Embryo ein Licht brenne — ein befremdlicher Kopfschmuck, welcher gradeso wie der vorerwähnte Engel erst durch die Horusabbildungen verständlich wird. Auf vielen unter ihnen trägt der Gott nämlich einen Diskus auf dem Haupte, welcher die Sonne vorstellen soll. Für die jüdische Anschauung konnte dieser auf keine passendere Weise als durch ein Licht ersetzt werden, welches übrigens auch auf späteren Abbildungen des Horns - Harpocrates gradezu an die Stelle des Diskus getreten ist.a) Bedenkt man nun, daß für den Sonnengott, als welcher Horns verehrt wurde, das Licht ') Reinisch, 0. a. O. S. 16S. *) Cuperus, Harpocrates p. 118.

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