Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Mythenmischung in der Hagada
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829472-2829478-2869316--16801-2869326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sagengeschichte, wie zur Mythologie derAegypter,Phöniker u. Griechen. 179 instischen Periode. Der ausschweifende Synkretismus der griechisch schreibenden Juden und Pseudojuden bot -fremden Anschauungen und mythologischen Gebilden leicht Eingang. Diese aber konnten, zumal, nachdem sie in weitere Kreise eiugedrungen waren, durch nachträgliche Reinigungsprocesse nicht mehr ganz ans dem Bereiche des Judenthums ausgeschieden werden, und so darf man sich nicht darüber verwundern, daß inan sie selbst im Talnrud und den Midraschim wiederfindet. *) Besonders sind es ägyptische und phönikische Götter- und Heroensagen, denen man begegnet. Sie wurden, natürlich mit entsprechender im Geiste des Monotheismus vollzogener Veränderung, auf die Helden der jüdischen Vorzeit übertragen, oder sie dienten zur Ausmalung der geheimnißvollen Erscheinungen des Lebens, welche ja die fruchtbarsten Brutstätten von Mythen und Sagen sind. Unter diesen Erscheinungen aber weitaus die geheimnißvollsten und räthselhaftesten sind das Leben des Kindes im Mutterleibe, seine Geburt und die ersten Stadien seiner Entwickelung, wie andererseits die Auflösung und der Tod des Menschen. Sie nehmen deshalb auch in allen Mythologien ein weites Feld ein und bilden in denselben die zuerst augebauten, wenn auch später vernachlässigten, Gebiete der Theogonien und Apotheosen. Die gleiche Wahrnehmung von der Aufnahme fremder Mythen kann man an der jüdischen Sagengeschichte selbst der neueren Zeit machen. Erst kürzlich habe ich eine bisher unbekannte mittelhochdeutsche Beschwörungsformel veröffentlicht 2), welche in jüdischen Kreisen des Mittelalters bei Entbindungen im Gebrauche war und worin die ״(Meerminnen)", sowie andere heidnische Vor- ') Es versteht sich, daß hier nur von völlig judaisirten Mythen, nicht aber von gelegentlichen Anwendungen eines Mythus wie z. B. des Hsroulss kroäieius und anderer in der Hagada vorkommender, die bloß homiletischen Zwecken dienten, die Rede ist. s) Monatsschrift f. Gösch, und Wist, des Judenth. v. Frankel-Grätz 1875 S. 269. 12*