Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Karäische Studien
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 16)
- Language
- German
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Kartusche Studien. dmgs der Meinung sein, die Anhänger Anans fänden die Trauden darum so sauer, weil sie dem Gründer ihrer Secte zu hoch gehangen. Aber in Wirklichkeit kann doch wohl fcutnt geleugnet werden, daß das Karäerthum von Beginne an von einem Geiste rigoroser Lebensanschauuug durchweht wird, der nicht nur den Frohsinn nicht förderte, sondern etwa bereits vorhandene Lebensfreudigkeit nicht gedeihen ließ. Mit einem Manne nun, welcher der jüdischen Colonie in Babel-Persien eine gewisse staatliche Unabhängigkeit, der Familie Davids außerhalb des heiligen Landes fürstliche Vorrechte erwirbt, der daneben eine perstsche Königstochter zur Frau oder zur Sclavin erhält, konnten Karäer Nichts anfangen. War Bostanai ein Ahnherr Anans, und sollte er in dieser Eigenschaft den Karäern werth bleiben, so mußte er mit ihn! nicht blos blutsverwandt, sondern auch seineu geistigen Bestrebungen nach verwandt sein. Er mußte ein frommer Gesetzeslehrer gewesen sein, der den schlechten Gaonim Opposition gemacht, er mußte das Karäerthum vorbereiten helfen. Wie Jehuda b. Tahbai, Sammai, Pinehas b. Jair und Andere wurde auch Bostanai-Gannai zu einem Vorkämpfer des Äaräismus gemacht. So entstand der karäische Mythus von Bostanai-Gannai, der, wie sämmtliche karäischen, aller Poesie baar נשיאים aus der Familie Anans; aber diese sind die ersten ״Trauernden um Zion", ihr Leben und ihre Haltung sind dem Exils gemäß, sie geben kein ffxävdakov im neutestamentlichen Sinne dieses Wortes. Im Gegensatze hierzu sichren die babylonischen Exilarchen ein Regiment, worüber später auch Scherira bitter sich beklagte. Das kann Salman meinen. Auch ist es möglich, daß er bei den ״Häuytern" an die Gaonim de ikt wie auch bei Jephet im Iesaia-Cvmmentar <M. S. Pet. 563 x. 213 b bei Neubauer a. a. O. Note XII) unter den ראשי גליות die Gaonim verstanden werden müssen. Es gibt doch gewiß einen besseren Sinn, wenn man Jepheth sagen läßt: ״Die Gaonim behaupten, einzig und allein das Gesetz zu verstehen", und: das Volk wendet sich an die Gaonim, die für hohes Geld sie nur mit unnützen Dingen beschäftigen, mit den Fabeln des Talmuds und Zauberformeln", wobei Jephet die von Geldsendungen begleiteten Anfragen an die Gaonim aus Nah und Fern im Sinne hat, als wenn man Alles das auf die Exilarchen beziehen müßte.