Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Familie Gradis
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 452 (sequence 6)
- Language
- German
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455 Die Familie Gradis. Nach dem Tode seines Vaters (1751) erweiterte Abraham seine Unternehmungen noch mehr. Um einen Begriff von dem Umfang des Geschäftsganges zu geben,sei hier angeführt, daß im Jahre 1758 die Ausfuhr nach dem französischen Amerika den Werth von 2,369,326 Fr. betrug. Im darauf folgenden Jahre erhielt das Haus den Auftrag, 4500 Tonnen Waare und Rationen für die Truppen zu expediren. Es stellte dazu 12 Schiffe, von denen 8 sein Eigenthum waren. Vom Jahre 1756 bis 1763, alsCanada auf hörte, französische Besitzung zu sein, belief sich der Export auf den Schiffen des Hauses Gradis auf 9 Millionen Fr. Wegen des Krieges mußten die Frachtschiffe von Kriegscorvetten begleitet werden, jene selbst wurden öfter gezwungen, den Kampf aufzunehmen und retteten öfter durch Tapferkeit die Ehre ihrer Flagge. Während des Krieges mit den Engländern wegen der amerikanischen Colonien rüstete das Haus Gradis öfter Schiffe aus und befrachtete sie mit Cargo auf Rechnung des Staates. Der Betrag belief sich öfter auf viele Millionen, welche die Staatskaffe nur Ratenweise zahlen konnte, und deren Wechsel sie hin und wieder nicht einlösen konnte. Außerdem erlitt das Haus während dieser Zeit großen Schaden durch die Kaperung der auf eigene Rechnung ausgesandten Fahrzeuge von Seiten der Engländer, da keine Gesellschaft die Assecuranz übernehmen mochte. Nichtsdestoweniger gab Abraham Gradis einem Geschäftsfreunde in London den Auftrag, den gefangenen französischen Capitänen und Commandanten auf seine Rechnung Alles zu verabreichen, was sie nöthig haben sollten, um. ihre Lage zu erleichtern. Um Zahlungen für die Ausrüstung von Schiffen und Lieferungen von Maaren für die Colonien zu erlangen, mußte er hin und wieder mit den Ministern des Königes eine eutschiedene Sprache führen. Als ihm der Minister Berryer, welcher wegen seines harten und hochmüthigen Benehmens bekannt war,