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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 10 · p. Seite 448

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 10
Article
Die Familie Gradis
Date
1875-01-01
Page
Seite 448 (sequence 2)
Language
German
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448 Die Familie Gradis. Einer derselben, der sich auch als politischer und historischer Schriftsteller einen Namen erworben hat, hat mir mit besonderer Liebenswürdigkeit seine Familiengenealogie mitgetheilt'), und ich gedenke daraus einige Züge zu entnehmen, welche dem Leser nicht uninteressant Vorkommen dürften. So weit die Familientradition reicht, war der Stammvater der Gradis einer von den Glücklichen, welche, der Wuth und dem Feuer der Auto .da fö's in Portugal entflohen, sich in Bordeaux niederlaffen durften. Da diese Flüchtlinge mit bedeutenden Capitalien angekommen waren und Geschäfte im großen Style betrieben, so wurden sie von den Königen von Frankreich, das damals finanziell und industriell weit hinter Spanien und Portugal zurückstand, gerne ausgenommen. Der bigotte König Heinrich II, welcher in gleichem Eifer wie der Blutkönig Philipp II von Spanien die Protestanten verfolgte, gewährte (1550) den ״portugiesischen Kaufleuten" Privilegien, des Inhalts, daß diejenigen, welche sich bereits in Frankreich niedergelassen hatten und auch diejenigen, welche in Zukunft sich niederlassen sollten, ihren Aufenthalt in jeder Stadt des Königreichs nehmen, alle Arten Geschäfte treiben, bewegliche und unbewegliche Güter erwerben, erben, Schenkungen annehmen und letztwillig verfügen dürften auf dieselbe Weise wie die Eingeborenen. Allerdings galten diese eingewanderten Portugiesen und später auch Spanier als N e.uchristen, und dadurch fühlte sich das Gewisfen des bigotten Königs beruhigt. Allein unbekannt war weder ihm, noch der Bevölkerung, daß das christliche Bekenntniß der Marranen nur Schein war, daß sie soviel wie möglich sich den kirchlichen Riten entzogen und heimlich dem Judenthum anhingen. So lange der Hof durch den Nutzen, den sie dem Lande brachten, ihnen Wohlwollen zeigte, galten sie als nouvsaux Okrötiens. Wie er ihnen aber wegen gehäufter aus Brodneid ’) Notice sur la famiUe Gradis et sur la maison Gradis et füs de Bordeaux, par Henri Gradis 1875.

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